In unserem Leben liegt soviel Auferstehung

In unserem Leben liegt soviel Tod
nicht nur der Tod der unwillkürlich eingewoben ist
sondern der Tod den wir selbst geschehen lassen,
weil wir unser Leben beschneiden
aus Pflichtgefühl oder Schuldgefühl
aus mangelnder Selbstliebe oder Opferbereitschaft
weil wir uns selber nicht ernst genug nehmen
und unsere Verantwortung in fremde Hände geben

In unserem Leben liegt soviel Lebenskraft
wie wir bereit sind aufzuspüren und aufzugreifen
und dann geschieht Auferstehung
nicht nur die Auferstehung an die die Christen glauben
sondern deine ureigene Auferstehung
die dich vom Staub befreit
die deine ungeahnten Kräfte weckt
die dir die Ketten löst
und deine Füße auf neue Wege lenkt

Lebensgarten

Im Garten meines Lebens wachsen die verschiedensten Pflanzen.
Eine Hand voll Samenkörner brachte ich mit, als ich auf diese Erde kam.
Manche davon sind schon aufgegangen und haben sich prächtig entwickelt.
Einige liegen noch im Verborgenen und warten darauf, von mir eingepflanzt zu werden.
Ein paar sind bereits abgestorben und Andere noch im Wachstum.
Wenige Pflänzchen sind verkümmert, vielleicht habe ich sie aufgegeben, weil ich dachte, dass mir „der Grüne Daumen“ dafür fehlt?
Ich habe im Laufe meines Lebens eine weitere Hand voll Samenkörner am Wegesrand gesammelt.
Einen Teil davon pflanzte ich sofort mit großer Begeisterung ein und mit dem restlichen Teil weiß ich noch nicht so recht wohin, es fehlt mir der Mut oder die Entschlossenheit.
Und dann ist da noch das Unkraut, es scheint einfach so aus dem Nichts zu wachsen und ist mir ein Dorn im Auge.
Ich grabe und hacke mit unglaublichem Kraftaufwand, unter Schmerzen, mit Schweiß und Tränen, aber der Erfolg meines mühsamen Unterfangens ist nur sehr begrenzt.
Eine kleine Weile schaue ich auf meinen fast makellos gepflegten Garten, bis es irgendwo schon wieder zu sprießen beginnt, was ich nicht mag, was mir lästig ist, was sich unbändig ausbreitet und meinen Pflanzen die Luft zum Atmen und den Platz zum Wachsen nimmt.
Manchmal, sehr selten nur, habe ich beim näheren Hinsehen entdeckt, das das Unkraut eine ganz eigene Schönheit entwickelt und ließ es wachsen, gab ihm Raum, im Garten meines Lebens.

Felix – Der Glückliche

Als Felix an diesem Morgen seinen rechten Arm widerstrebend aus der ihn wohlig wärmenden Bettdecke herausstreckte um den aufdringlichen Wecker mit einem beherzten Schlag zum Schweigen zu bringen, schien es ein ganz normaler Tag zu werden.
Sein erster Gang führte ihn wie gewöhnlich in die Küche.
Der Griff zur Schranktür um die Filtertüte und das Kaffeepulver herauszuholen war zur liebgewordene Routine geworden.
Felix blieb seinen Traditionen gerne treu, er war kein Freund von diesen herzlosen Kaffeevollautomaten, nein er liebte es, dem Gluggern des sich langsam erhitzenden Wassers zu zuhören, während er im Bad seine Zähne putzte.
Wie stets an seinen arbeitsfreien Tagen setzte er sich auch heute mit einer Tasse Kaffee an den Küchentisch und blätterte in einer Illustrierten.
Jetzt blieb sein Blick an der Überschrift einer Werbeanzeige hängen:
„Lässt das Glück auf sich warten?“
Es folgte eine Werbung für den Kauf von Lotterielosen, aber Felix las nicht weiter.
Diese Frage traf ihn mitten ins Herz, er fühlte sich ganz persönlich angesprochen.
Lässt das Glück auf sich warten?
Was für eine merkwürdige Frage?
Während er darüber nachdachte kamen immer weitere Fragen in ihm auf, so als wenn er einer Pflanze, die zahlreiche Ableger bildet, im Zeitraffer beim Wachstum zusehen könnte.
Wartet das Glück auf mich?
Warte ich auf das Glück?
Was ist Glück?
Wo kann ich es finden?
Kann ich das Glück überhaupt finden oder kann nur das Glück mich finden?
Eine ganze Weile schwirrten diese Fragen in Felix Kopf herum und es wurde ihm staunend bewusst, dass er sich noch niemals zuvor Gedanken darüber gemacht hatte.
Seltsam berührt kam ihm jetzt in den Sinn, dass sein Name aus dem Lateinischen kommt und „ Der Glückliche“ bedeutet.
Dann müsste das Glück ja bereits bei ihm sein?
Ich bin Felix der Glückliche, bin ich denn wirklich glücklich?
Nach einer Weile bemerkte er, dass er eigentlich viel besser wusste,
was er nicht war, was er nicht hatte, was er nicht mochte, welche Träume sich nicht erfüllt hatten.
Im Moment war er auf jeden Fall nicht unglücklich, aber glücklich war er eigentlich auch nicht, denn es gab doch so Einiges, was ihm zum perfekten Glück fehlte.
Zum Beispiel eine größere Wohnung, wo er sich ein Hobbyzimmer einrichten könnte, einen besseren Verdienst, damit er sich endlich mal ein neues Auto leisten konnte und eine Frau an seiner Seite fehlte ihm schon lange. Sein Wohnort gefiel ihm auch nicht wirklich, zu viel Industrie rundherum, er würde viel lieber idyllisch im Grünen wohnen.
In seinen Aufzählungen darüber, was er denn nun noch alles entbehrte, um glücklich zu sein, wurde er von einem Blitzgedanken jäh unterbrochen.
Was wäre denn, wenn nun eine gute Fee kommen würde und ihm jetzt auf der Stelle alle diese Wünsche auf einen Schlag erfüllen würde, wäre er dann glücklich?
Ihm wurde ziemlich schnell klar, dass er ganz sicher zufriedener wäre, zumindest für dem Augenblick, aber glücklich?
Um glücklich zu sein, musste da nicht alles dauerhaft gut laufen, also etwa als wenn er ein Abo gewonnen hätte, für einen endlosen „Friede Freude Eierkuchenzustand“, natürlich mit sofortigem Upgrade sobald etwas zum perfekten Glück fehlte, also sozusagen ein unerschöpflicher Vorrat an Urlaub, Geld, tollen Frauen, schicken Autos, neuen Häusern in attraktiven Wohngegenden und weißt du was nicht alles?
Wäre dieses Abo die Eintrittstür zum Glück?
Je länger er sich diesen Zustand vorzustellen versuchte, desto weniger begehrenswert erschien er ihm.
Wenn er immer sofort bekäme, was ihm gerade zu fehlen schien, dann würde wohl die Selbstverständlichkeit sehr bald das Glücksgefühl aufgefressen haben.
Er resümierte: Wenn man alles hatte was man wollte, machte das auch nicht glücklich.
Aus dieser Erkenntnis schloss er, dass das Glück sich wohl irgendwo zwischen all den unerfüllten Wünschen und geplatzten Träumen versteckt halten müsse.
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
Zwischen den unerfüllten Wünschen und geplatzten Träumen da war er ja bereits angekommen.
Das war doch genau hier, mitten in seinem Leben.
Da stand er, Felix der Glückliche, direkt neben dem Glück und hatte es nicht bemerkt.

Heitere Traurigkeit

Leere Fülle
Leuchtendes Schwarz
Tonloses Lied
Wärmende Kälte
Trennende Nähe
Heitere Traurigkeit

Alles ist Jetzt
und lange vergangen
ewig vereint
und endlos entfernt

Nichts geht verloren
im Meer des Lebens.
Am Ufer stehend
reicht mein Auge nicht hinüber zu dir
wo deine Füße benetzt werden
vom Wasser des selben Meeres

Dankbarkeit

Im Monat November sind die Türen zur Vergangenheit und zu den Menschen, die „schon voraus gegangen“ sind  weiter geöffnet als in einer anderen Zeit. So empfinde ich es.
Da wird auch immer viel Dankbarkeit in mir wach.

Kurz nachdem meine Mutter gestorben war, habe ich ein Gedicht geschrieben, das wie ein Brief an sie formuliert ist.
Es passt heute sehr gut zum Thema.

Schatzsuche

Wenn ich in mich hinein horche
erfühle ich deine Botschaft,
die du mir durch dein Leben
übermittelt hast.
Es ist das, was wichtig ist.
Es ist das, was mich geprägt hat.
Es ist das, was mich auf meinem Lebensweg
begleiten möchte.
Ich mache mich auf die Schatzsuche
nach der Essenz deines Lebens.
Sie beginnt in meinem Herzen.
Ist es ein Wort, ein Blick oder eine Geste vielleicht,
die sich als Spur in meine Seele gegraben hat?
Es gibt eine Brücke zwischen dir und mir,
eine Verbindung,
die uns ewig bleibt.
Die Liebe weist mir den Weg
zu deinem Vermächtnis für mich.

Licht im Herzen – Der Weg der Könige

Manchmal ist dein Weg unübersichtlich,
Manchmal gehst du Umwege
Manchmal ist dein Ziel nicht erkennbar.

So ist es auch uns ergangen,
als wie uns auf den Weg machten.
Wir hatten keine sichere Wegbeschreibung in unseren Taschen,
nur unser  Vertrauen darauf,
dass der Stern uns  leitet.
Manchmal ist es auch für dich Zeit
bedingungslos zu vertrauen.

Du brauchst auf
deinem Weg, der im Dunkeln liegt
nur das Licht,
das in deinem Herzen leuchtet.

(C) Beate Neufeld
11.10.2017

Ungetragen

Sie stand vor dem geöffneten Kleiderschrank. Ihre Blick streifte aufmerksam über den Inhalt der nun wie ein geöffnetes Buch vor ihr lag und von einem vergangenen Leben erzählte. Behutsam strich sie mit ihrer Hand von rechts nach links entlang der Kleidungsstücke die fein säuberlich aufgereiht auf ihren Bügeln hingen.
“ Kind wie läufst du denn schon wieder herum, was sollen den bloß die Leute denken? Der erste Eindruck zählt und dabei ist eine angemessene Kleidung enorm wichtig!“ Tante Irmtrauds Stimme klang noch immer in ihr nach.
Sie selbst wählte ihr Kleidung ganz nach Lust und Laune aus und so war sie nach Ansicht ihrer Tante eigentlich fast nie passend angezogen.
„Du kannst doch nicht dein bestes Kleid an einem Tag wie heute anziehen, das ist doch ein Festtagkleid!“
Sie stand noch immer vor dem Schrank und zog nun von rechts nach links einzelne Bügel heraus um sich die Kleider näher anzuschauen. Jedes Teil weckte in ihr eine Erinnerung, und sie sah die Tante darin wie sie zum Beispiel in der Küche kochte oder im Garten arbeitete.
Als ihre Hand fast die gesamte Reihe abgegriffen hatte, zog sie ein Kleid heraus, welches sie noch nie gesehen hatte. Es war noch völlig ungetragen, und war noch mit dem Preisettikett versehen. Es war wunderschön, ein wahres Prachtstück. Aber es war offensichtlich niemals „zum Einsatz“ gekommen. Nicht nur durch die Tatsache, dass es neuwertig war, ließ es sich von den anderen Teilen unterscheiden, sondern auch dadurch, dass es als einziges Exemplar unter lauter Alltagskleidern die Bezeichnung „Festtagskleid“ verdient hatte.
Sie betrachtete das jungfräuliche Kleid in ihren Händen und ihr wurde klar, dass dies ein Symbol war für alle ungelebten Träume ihrer Tante, die unter dem Vorwand des Pflichtbewusstseins im hintersten Winkel des Herzens vergraben wurden. In Tante Irmtrauds Leben hatte es  keinen Platz für Feste, Leichtigkeit und Lebenslust gegeben.
„Erst die Arbeit, dann das Spiel!“, war ihr Wahlspruch und Arbeit gab es immer.
Betroffen hängte sie das Kleid wieder an seinen Platz.
Als sie den Schrank geschlossen hatte, hatte, nahm sie eine Frage in ihrem Herzen mit: Welche Kleider habe ich in den hintersten Winkel verschlossen die darauf warten von mir ins Leben getragen zu werden?

Das Licht einfangen

Lebenskraft
Liebesfunken

Das Licht einfangen
überall wo du es wahrnimmst.

Das Licht auftanken
überall wo es dich erreicht.

Vielleicht ist es das Wichtigste
was wir im Leben lernen können:

Nicht nachlassen
uns nach dem Licht auszurichten.

Nicht aufhören
nach dem Licht zu suchen.

Es lässt sich finden
Selbst die Nacht ist nicht ohne Licht.

(C) Beate Neufeld
13.06.2017

Das Glück

Das Glück

Es war einfach unglaublich,
da hatte das Glück tage- und wochenlang
damit zugebracht,
hinter ihr herzulaufen,
sie zu umgarnen,
ja sogar sich ihr in den Weg zu stellen,
nur damit sie endlich das Glück entdecken würde.
Aber sie war einfach schneller,
ließ sich nicht halten
und lief im Zickzackkurs gekonnt um das
Glück herum,
als ob sie eine neue sportliche Disziplin
erfunden hätte.
Sie war geübt und so ausdauernd trainiert,
dass das Glück schließlich völlig entkräftet aufgeben musste.
Es blieb einfach am Rand des Weges liegen,
und da liegt es immer noch,
denn es hatte beschlossen,
sich niemals mehr gewaltsam aufzudrängen.
Fortan wollte es nur noch freiwillig gefunden werden.
Wenn du es entdecken möchtest,
dann sei gewiss,
dass es geduldig wartet
und sich von dir finden lässt.

Das Glück hat tausend mal tausend Gesichter.
Manchmal entdeckte ich es in einem lachenden Kindergesicht, zuweilen auch in einer leuchtenden Blume im Feld.
Ich konnte es in der Melodie des Windes hören
und in der salzigen Meeresluft schmecken.
Vielleicht legt es sich dir als moosiger Waldweg unter die Füße
oder begegnet dir in einem ehrlichen Wort aus Freundesmund?
Wenn du es gefunden hast, dann wirst du wissen, wie es aussieht,
aber nur für diesen Augenblick und für dieses eine Mal.
Es lässt sich nicht halten und wird sich schon bald ein neues Gewand anlegen.
Das Glück hat tausend mal tausend Kleider.