Der Traum des Löwenzahnes

„Oh je oh je,wie fürchterlich, mein Kleid ist kaputt! Dieser dumme Wind hat ein Loch hinein gerissen, was soll ich bloß tun“, jammerte Leonie, die auf der kleinen Wiese am Dorfteich lebte.
Sie schaute verzweifelt umher und plötzlich blieb ihr vor Schrecken die Stimme weg.
Da hinten rechts am Rand der Wiese sah doch tatsächlich alles noch viel schlimmer aus.
Manche ihrer Blumenfreunde hatten ein viel größeres Loch zu beklagen und einige standen jetzt schutzlos und nackt da.
Sie hatte es freilich schon oft bei anderen Löwenzahnblumen beobachtet und wusste genau, was danach geschah, grausam war das, denn dann ging es einfach rapide bergab. Einmal seines Kleides beraubt, musste man wehrlos vertrocknen und schließlich verschwand man im Nichts, so als ob man niemals dagewesen wäre.
Leonie begann nun noch lauter zu weinen und davon wurde ein kleines zartgrünes Etwas unsanft aufgeweckt. Valerie war nämlich erschöpft von der Anstrengung, die es gekostet hatte um ihre ersten winzigen Blättchen durch die schwere Erde nach oben ans Licht zu strecken, ein wenig eingenickt.
Sie blinzelte und schaute sich verwirrt um, bis sie direkt in Leonies angsterfülltes Gesicht blickte.
Da erhob Valerie ihr leises Stimmchen und rief:
„ Hallo, du da oben, warum bist du so traurig?“
Etwas verdutzt hielt Leonie im Klagen inne und sprach entrüstet:
„Ja schau mich doch an, was fragst du denn so dumm? Ach, du bist halt noch klein und einfältig, hast keine Ahnung von der Tragödie des Lebens! Mein schönes Kleid ist zerrissen, und beim nächsten Wind, werde auch ich so schutz- und nutzlos herumstehen und kann nichts dagegen tun, dass ich schon bald verloren bin. Alles war umsonst, und dabei habe ich einmal so wunderbar geblüht. Eine Schönheit war ich, meine Blüte hat geleuchtet fast so hell wie die Sonne selbst. Meine Blüte habe ich dann mit diesem wundervollen Kugelkleid getauscht. Da habe ich zwar selbst nicht mehr geleuchtet, aber dafür konnten die Sonnenstrahlen durch mich hindurch strahlen und verliehen mir einen geheimnisvollen Glanz. Nun sind meine Tage gezählt und am Ende wird nichts von mir übrig bleiben. Wozu habe ich dann überhaupt gelebt, das hat doch alles keinen Sinn?“

Valerie schaute Leonie voller Mitgefühl an und sprach zu ihr:
„ Ich kann dir zwar dein schönes Kleid nicht mehr flicken, aber vielleicht kann ich dich aufmuntern, wenn ich dir von meinem wunderbaren Traum erzähle, aus dem ich durch dein Weinen erwacht bin?“
Sie wartet nicht ab, ob Leonie einwilligte, sie begann einfach zu erzählen:
„Ich habe geträumt, dass ich ein federleichtes Schirmchen bin. Mit unzähligen anderen kleinen Schirmchen wuchs ich ganz dicht zusammen. Plötzlich zauste uns ein frischer Wind und wir wurden durcheinander gewirbelt und hoch in die Luft erhoben. Ich tanzte im Wind und wurde weit fort getragen, bis ich schließlich auf der Erde landete. Da lag ich eine Weile bis es regnete und die Erde ganz nass und weich wurde, dann wurde es dunkel um mich. Es war als wenn ich schlafen würde. Eine Weile später begann ich mich zu recken und zu strecken und ich musste meine ganze Kraft zusammen nehmen, bis ich endlich aus der dunklen Erde heraus schauen konnte und sah, dass ich angekommen war, hier auf dieser Wiese, genau da wo ich jetzt auch stehe.“
Leonie hatte Valerie voller Staunen zugehört und dabei völlig vergessen, dass sie vor einer Minute noch tieftraurig gewesen war.
Sie schaute mit großen Augen um sich herum und betrachtete die vielen Blumengeschwister: Ganz kleine frisch grüne Pflänzchen wie Valerie standen neben voll erblühten leuchtend gelben sowie auch durchscheinend kugelförmige Löwenzahnblumen. Sie gewahrte nackte Blütenstängel neben bereits gänzlich vertrockneten kaum noch als ehemalige Blumen zu erkennenden Überresten. Dann schaute sie sich selber an, so wie sie sich noch niemals wahrgenommen hatte und entdeckte, dass ihr Kleid aus unzähligen Schirmchen zusammengesetzt war, und fühlte sich plötzlich auf seltsame Weise leicht und befreit. Ein leises Sehnen ergriff sie und in ihr wurde eine zaghafte Ahnung geweckt, dass Valeries Traum viel mehr als nur ein Traum ist.

Euch allen wünsche ich ein froh machendes Osterfest.

In unserem Leben liegt soviel Auferstehung

In unserem Leben liegt soviel Tod
nicht nur der Tod der unwillkürlich eingewoben ist
sondern der Tod den wir selbst geschehen lassen,
weil wir unser Leben beschneiden
aus Pflichtgefühl oder Schuldgefühl
aus mangelnder Selbstliebe oder Opferbereitschaft
weil wir uns selber nicht ernst genug nehmen
und unsere Verantwortung in fremde Hände geben

In unserem Leben liegt soviel Lebenskraft
wie wir bereit sind aufzuspüren und aufzugreifen
und dann geschieht Auferstehung
nicht nur die Auferstehung an die die Christen glauben
sondern deine ureigene Auferstehung
die dich vom Staub befreit
die deine ungeahnten Kräfte weckt
die dir die Ketten löst
und deine Füße auf neue Wege lenkt

Sonnenklar

Während ich darüber nachdenke, wie ich mich entscheiden würde,
sollte augenblicklich eine gute Fee
bei mir eintreffen
und mir die Möglichkeit bieten, rückwirkend in meinen bisherigen Lebenslauf einzugreifen
und beliebige Änderungen vorzunehmen, lässt die Antwort nicht lange auf sich warten.
Kraftvoll und sonnenklar
formt sich ein NEIN.
Mit unerschütterlichere Sicherheit erkenne ich,
dass alles was war,
so kunstvoll zu einem
einzigartigen Muster verwoben
und unendlich liebevoll
mein Lebenssinn
hineingeschrieben ist
von Schöpferhand.

(C) Beate Neufeld
23.03.2017

Was bleibt ist die Liebe

Heute entdeckte ich bei Anna-Lena ihren Beitrag zu einem Schreibprojekt, in dem es darum geht, ein Kurzgeschichte mit maximal 10 Sätzen zu schreiben die 3 vorgegebene Wörter beinhalten muss.
Diese Woche sollten es die Wörter: HAND, WIND und GOLD sein. Ich las ihren Beitrag zum Projekt zunächst ganz bewusst nicht und ließ mich zu einer eigenen Geschichte inspirieren. Umso erstaunter war ich dann, als ich ich sah, dass wir beide das Thema Tod gewählt hatten.

Hier also meine Geschichte:

Was bleibt ist die Liebe

Sie wusste nicht wie viele Stunden sie bereits am Bett ihrer sterbenden Mutter gesessen hatte, seit sie sich aufgeschreckt durch die  Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter im Krankenhaus eingefunden hatte.

Hilflos und haltlos fühlte sie sich, wie eine Pflanze die von mitleidsloser Hand aus der Erde gerissen wurde.

Hoffnung auf eine Wendung des Schicksals gab es nicht, denn sie spürte wie die Lebenskräfte der Mutter flüchtig wie der Wind ihren Körper verließen.

Der Schmerz zerriss fast ihr Herz und sie versuchte mit aller Kraft zu halten, was sich nicht halten ließ.

Schonungslos wie ein Schwert wurde sie von der Frage durchbohrt, ob  irgendetwas bliebe?

Es konnte nicht sein, dass dieses Leben, dieser Zeitraum zwischen Geburt und Tot eines Menschen, zur Bedeutungslosigkeit verdammt war.

Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass ihre Mutter sich zu einem Nichts auflösen würde und es schon bald so sein würde, als hätte sie nie gelebt.

Ihre bisherige Lebenszeit von dem Zeitpunkt an, seit sie sich erinnern konnte, lies sie Revue passieren.

Schwere und schöne Zeiten, Freude und Schmerz, alles wurde in ihr wieder lebendig und eine leise, zarte Ahnung begann in ihr zu wachsen.

Dann kam er, der unausweichliche Moment des Abschieds, den sie lebenslang stets erfolgreich verdrängt hatte und mit ihm legte sich in ihre Seele ein Schatz wertvoller als Gold, und sie wusste jetzt, dass die Liebe alles in sich trägt was war und ist und ewig bleibt.

Engelssegen

Möge stets ein Engel mit dir sein,
der dich behütet und beschützt.
Möge stets ein Engel neben dir sein,
der dich begleitet und führt.
Möge stets ein Engel hinter dir stehen,
der dich trägt und hält.
Möge stets ein Engel um dich sein,
der deine Seele erhellt.
Möge stets ein Engel bei dir sein,
der dir Kraft und Heilung schenkt.

Wenn ihr wissen möchtet, was es mit diesem Engel auf sich hat, dann besucht mich doch auf meinem Blog Plauderpause.

Mein Leben steht unter einem guten Stern

Mein Leben steht unter einem guten Stern

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann leuchtet auch in dunklen Zeiten
ein Hoffnungsschimmer für mich.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann ergreife ich in den Herausforderungen
die Chance des Lernprozesses.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann wächst mir der Mut zu,
immer wieder neu zu beginnen.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann vertraue ich darauf,
dass alles seinen Sinn hat.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann weiß ich,
dass auch kleine Schritte zum Ziel führen.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann darf ich mir selber verzeihen
und mich lieben so wie ich bin.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann erkenne ich die Fügungen und Führungen
auf meinem Weg.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann gibt es keinen Tag an dem
der Grund zum Danken fehlt.

Wie es zur Entstehung dieses Gedichtes kam, könnt ihr, wenn ihr möchtet, auf meinem Blog Plauderpause nachlesen.

Die Schnecke auf dem Weg nach Bethlehem

An einem recht kalten Wintertag im Dezember, saß das Rotkehlchen auf einem Holunderbusch am Waldesrand.
Es schaute ganz munter um sich herum und als sein Blick nach unten auf den Boden fiel entdeckte es eine Schnecke.
„Hallo Schnecke, wohin des Weges?“
„Keine Ahnung, ich krieche einfach irgendwohin. Über die Richtung habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.
Hauptsache ich bin in Bewegung.
„ Ja hast du denn noch nicht gehört, dass in Bethlehem ein ganz besonderes Kind geboren werden soll?
Es ist verheißen, dass es Gott selber ist, der uns das Licht und das Heil bringt?“
Die Schnecke wurde von den Worten des Rotkehlchens mitten ins Herz getroffen und plötzlich spürte sie eine große Sehnsucht nach diesem Licht.
„Nun Rotkehlchen, dann sag mir, in welche Richtung ich denn kriechen muss, wenn ich dorthin gelangen will?“
„Das weiß ich nicht“, entgegnete das Rotkehlchen, “aber frage einmal dein Herz, es wird dir schon den richtigen Weg weisen.“
Zunächst war die Schnecke sehr verwundert über diese seltsame Antwort,
aber als sie einen Moment inne gehalten hatte, gewahrte sie in sich ein kleines zartes Fünkchen, dass ihr Herz erwärmte. Sie fühlte sich ganz zart hingezogen zu dieses Liebeslichtes, ohne weiter nachzudenken ließ sie es geschehen und kroch ihm entgegen.
Sie war ganz zufrieden und voller Kraft und bemerkte gar nicht, wie die Zeit verging.
Eines Tages lief der Schnecke eine Ameise über den Weg.
„He, hallo Ameise, nicht so schnell, wo läufst du denn hin, wollen wir ein Stück gemeinsam gehen?“
Verdutzt stoppte die Ameise ihre hektischen Schritte und schaute wo die Stimme herkam.
„ Oh , hast du mit mir gesprochen Schnecke, ich hatte dich gar nicht gesehen. Meine Güte, ich bin aber auch total fertig, immer diese viele Arbeit, keine Zeit zum Ausruhen.“
Die Schnecke sprach: „ Ja hast du denn noch nicht gehört, dass in Bethlehem das Licht der Welt geboren wird, dass für uns alle neue Kraft und Heil bringt?“
„Nein“, erwiderte die Ameise, „das habe ich nicht, neue Kraft könnte ich allerdings dringend gebrauchen.
Aber ich bin schon ganz schlapp, ich glaube kann nicht mehr. Der Weg ist viel zu weit, das schaff ich nicht.“
Da lud die Schnecke die Ameise ein, auf ihrem Schneckenhaus Platz zu nehmen.
Die Ameise schüttelte zunächst verständnislos den Kopf und versuchte der Schnecke klarzumachen, dass sie in ihrer Langsamkeit doch niemals eine Chance hätte rechtzeitig in Bethlehem anzukommen.
Die Schnecke ließ sich von diesem Einwand nicht beirren und auch nicht von ihrem Entschluss abbringen.
„Ich spüre in meinem Herzen die Sehnsucht nach diesem Licht und wenn es wahr ist, dass der Retter für uns alle gekommen ist, dann wird sein Licht groß und stark genug sein, so dass auch mich ein Strahl davon erreicht, sprach sie voll innerer Gewissheit.“
Die Ameise dachte bei sich, dass es auf jeden Fall besser sei, die Hilfe von der Schnecke anzunehmen, als hier alleine kraftlos auf der Strecke zu bleiben.
So geschah es, dass nun beide gemeinsam unterwegs waren.
Nach einigen Tagen endete ihr Weg zur Mittagszeit an einem Hügel.
Zunächst waren sie sehr verwundert und auch irgendwie ratlos. Wie sollte es nun weiter gehen?
Hatten sie sich verlaufen? Würden sie den richtigen Weg jemals finden, und wenn, würde es dann vielleicht zu spät sein?
Sie beschlossen erst einmal ein Rast zu machen und die Ameise kroch vom Schneckenhaus hinunter setzte sich neben die Schnecke .
Gemeinsam ließen sie den Blick über das Tal schweifen und erblickten einen kleinen See.
Im Wasser spiegelte sich die Sonne und zauberte tausend und abertausend Glitzerfünkchen, die auf dem Wasser tanzten.
Ergriffen von diesem wundervollen Schauspiel trafen sich ihre Blicke und da erkannten sie, dass sich die Strahlen der Sonne auch in ihren Augen spiegelte.
Eine liebende Geborgenheit umfing sie und sie spürten ganz tief in ihren Herzen, dass die Geburt des Lichts sich genau jetzt und hier in diesem Augenblick ereignete.

(C) Beate Neufeld

Bischof Nikolaus

Heute feiern wir den Nikolaustag. Mir kam die Legende vom Kornwunder in den Sinn und es formten sich in mir folgende Zeilen:

Bischof Nikolaus
Wie tief und stark muss dein Vertrauen gewesen sein,
so kraftvoll, dass auch die Seeleute davon getragen wurden.
So konnte es geschehen, das Wunder aus der unerschöpflichen Quelle der Liebe:
Was wir von  Herzen teilen, wird uns niemals fehlen!

Erwartungen 

Es geschah an einem Tag in der Adventszeit.
Ich schloss den Briefkasten auf und holte etwas missmutig den dicken Stapel mit Werbeanzeigen heraus.
Fast wäre mir der Briefumschlag der dazwischen herausrutschte vor die Füße gefallen, wenn ich ihn nicht im letzten Moment noch aufgefangen hätte. Er war etwas unförmig und hatte keinen Absender.
Meine Neugier war geweckt und ich riss ihn ungeduldig auf.
Der Inhalt verblüffte mich total, denn ich hielt einen Briefbogen und einen kleinen leeren Bilderrahmen aus Holz in den Händen.
Auf dem Papier las ich nur diesen einen  Satz: „Ich bin schon da!“ Fassungslos schüttelte ich meinen Kopf. Was hatte das zu bedeuten?
Als ich den Rahmen näher in Augenschein nahm, entdeckte ich auf der Rückseite  noch einen Satz, der mit winzigen Buchstaben auf den Rand geschrieben war : „Gib deinen Erwartungen einen neuen Rahmen!“
Wie Schuppen fiel es mir plötzlich von den Augen und ich wusste:
„Gott lässt sich finden, wenn ich ihn erwarte.
Es kommt auf meinen Blickwinkel an und darauf, ob ich bereit bin ihn zu sehen.
Seither trage ich  den kleinen Rahmen oft mit mir, ganz besonders gerne, wenn ich in der Natur unterwegs bin.
Heute beim Spaziergang schaute ich hindurch und blickte in die Augen der kleinen Dammkuh, die hinter dem Zaun auf der Wiese weidete.