Mut zur Lücke

Kürzlich hat Priska in ihrem Blog ein Gedicht veröffentlicht, was mich lange beschäftigt hat. Es hat mich zum Nachdenken angeregt und daraus ist ein Gedicht entstanden.

Mut zur Lücke

Eigentlich war alles in bester Ordnung,
aber die Angst etwas zu verlieren, zu entbehren oder zu verpassen saß ihm im Nacken. So verschwendete er sämtliche Energie darauf, zu raffen und zu hasten, zu kontrollieren und zu gieren.
Ihm fehlte einfach der Mut zur Lücke.

Eigentlich war Vieles ganz anders gelaufen, als sie es sich gewünscht hätte,
aber im Laufe ihres Lebens hatte sie gelernt, dass in jedem Rückschlag auch Lernpotential steckt.
Sie war gestärkt und gewachsen, gelassen und optimistisch.
Ihr wurde jede Lücke zur Brücke.

In unserem Leben liegt soviel Auferstehung

In unserem Leben liegt soviel Tod
nicht nur der Tod der unwillkürlich eingewoben ist
sondern der Tod den wir selbst geschehen lassen,
weil wir unser Leben beschneiden
aus Pflichtgefühl oder Schuldgefühl
aus mangelnder Selbstliebe oder Opferbereitschaft
weil wir uns selber nicht ernst genug nehmen
und unsere Verantwortung in fremde Hände geben

In unserem Leben liegt soviel Lebenskraft
wie wir bereit sind aufzuspüren und aufzugreifen
und dann geschieht Auferstehung
nicht nur die Auferstehung an die die Christen glauben
sondern deine ureigene Auferstehung
die dich vom Staub befreit
die deine ungeahnten Kräfte weckt
die dir die Ketten löst
und deine Füße auf neue Wege lenkt

Geschenke auspacken

Das Geschenk des heutigen Tages
Neulich hörte ich einen Spruch in dem in etwa zum Ausdruck gebracht wurde, dass jeder Mensch bei seiner Geburt die ganze Welt geschenkt bekommt und dass die meisten Menschen sterben, ohne dass sie das Geschenkband überhaupt gelöst haben.
Nun, ich stelle es mir so vor, dass unzählig viele Geschenke auf meinem Lebensweg darauf warten, von mir entdeckt und ausgepackt zu werden.
Heute war so ein Tag, an dem mein Blick aufmerksam und meine Sinne wach waren.
Ich habe meine Geschenke heute ausgepackt:
Der Duft des Sommers nach Getreide und Lindenblüten, der Gesang der Lerchen und das muntere Krächzen der Krähen.
Die Wölkchen über dem Feldweg und die mutige Mohnblume die als Einzelexemplar stolz und selbstbewusst noch ein Stückchen höher gewachsen ist als alles um sie herum.
Die Sonne auf meiner Haut und das gelegentliche kühle Lüftchen.
Der Anblick der friedlichen Landschaft, die nichts weiß von Feindschaft und Kampf.
Ich wünsche dir, dass du die Geschenke auspacken wirst, heute, morgen und an jedem deiner Tage.

Lebensgarten

Im Garten meines Lebens wachsen die verschiedensten Pflanzen.
Eine Hand voll Samenkörner brachte ich mit, als ich auf diese Erde kam.
Manche davon sind schon aufgegangen und haben sich prächtig entwickelt.
Einige liegen noch im Verborgenen und warten darauf, von mir eingepflanzt zu werden.
Ein paar sind bereits abgestorben und Andere noch im Wachstum.
Wenige Pflänzchen sind verkümmert, vielleicht habe ich sie aufgegeben, weil ich dachte, dass mir „der Grüne Daumen“ dafür fehlt?
Ich habe im Laufe meines Lebens eine weitere Hand voll Samenkörner am Wegesrand gesammelt.
Einen Teil davon pflanzte ich sofort mit großer Begeisterung ein und mit dem restlichen Teil weiß ich noch nicht so recht wohin, es fehlt mir der Mut oder die Entschlossenheit.
Und dann ist da noch das Unkraut, es scheint einfach so aus dem Nichts zu wachsen und ist mir ein Dorn im Auge.
Ich grabe und hacke mit unglaublichem Kraftaufwand, unter Schmerzen, mit Schweiß und Tränen, aber der Erfolg meines mühsamen Unterfangens ist nur sehr begrenzt.
Eine kleine Weile schaue ich auf meinen fast makellos gepflegten Garten, bis es irgendwo schon wieder zu sprießen beginnt, was ich nicht mag, was mir lästig ist, was sich unbändig ausbreitet und meinen Pflanzen die Luft zum Atmen und den Platz zum Wachsen nimmt.
Manchmal, sehr selten nur, habe ich beim näheren Hinsehen entdeckt, das das Unkraut eine ganz eigene Schönheit entwickelt und ließ es wachsen, gab ihm Raum, im Garten meines Lebens.

Trotzdem

Trotzdem

Wo Logik und Verstand blockieren,
will ich mich der größeren Wahrheit öffnen
und an das Unglaubliche glauben.

Wo aus Angst Worte fehlen,
will ich mein Ohr an den Seelengrund legen
und das Ungesagte hören.

Wo der Blick verschleiert ist,
will ich meine Herzensaugen öffnen
und das Unsichtbare sehen.

Wo mir Naivität vorgeworfen wird,
will ich bei mir bleiben
und auf meine innere Weisheit vertrauen.

Felix – Der Glückliche

Als Felix an diesem Morgen seinen rechten Arm widerstrebend aus der ihn wohlig wärmenden Bettdecke herausstreckte um den aufdringlichen Wecker mit einem beherzten Schlag zum Schweigen zu bringen, schien es ein ganz normaler Tag zu werden.
Sein erster Gang führte ihn wie gewöhnlich in die Küche.
Der Griff zur Schranktür um die Filtertüte und das Kaffeepulver herauszuholen war zur liebgewordene Routine geworden.
Felix blieb seinen Traditionen gerne treu, er war kein Freund von diesen herzlosen Kaffeevollautomaten, nein er liebte es, dem Gluggern des sich langsam erhitzenden Wassers zu zuhören, während er im Bad seine Zähne putzte.
Wie stets an seinen arbeitsfreien Tagen setzte er sich auch heute mit einer Tasse Kaffee an den Küchentisch und blätterte in einer Illustrierten.
Jetzt blieb sein Blick an der Überschrift einer Werbeanzeige hängen:
„Lässt das Glück auf sich warten?“
Es folgte eine Werbung für den Kauf von Lotterielosen, aber Felix las nicht weiter.
Diese Frage traf ihn mitten ins Herz, er fühlte sich ganz persönlich angesprochen.
Lässt das Glück auf sich warten?
Was für eine merkwürdige Frage?
Während er darüber nachdachte kamen immer weitere Fragen in ihm auf, so als wenn er einer Pflanze, die zahlreiche Ableger bildet, im Zeitraffer beim Wachstum zusehen könnte.
Wartet das Glück auf mich?
Warte ich auf das Glück?
Was ist Glück?
Wo kann ich es finden?
Kann ich das Glück überhaupt finden oder kann nur das Glück mich finden?
Eine ganze Weile schwirrten diese Fragen in Felix Kopf herum und es wurde ihm staunend bewusst, dass er sich noch niemals zuvor Gedanken darüber gemacht hatte.
Seltsam berührt kam ihm jetzt in den Sinn, dass sein Name aus dem Lateinischen kommt und „ Der Glückliche“ bedeutet.
Dann müsste das Glück ja bereits bei ihm sein?
Ich bin Felix der Glückliche, bin ich denn wirklich glücklich?
Nach einer Weile bemerkte er, dass er eigentlich viel besser wusste,
was er nicht war, was er nicht hatte, was er nicht mochte, welche Träume sich nicht erfüllt hatten.
Im Moment war er auf jeden Fall nicht unglücklich, aber glücklich war er eigentlich auch nicht, denn es gab doch so Einiges, was ihm zum perfekten Glück fehlte.
Zum Beispiel eine größere Wohnung, wo er sich ein Hobbyzimmer einrichten könnte, einen besseren Verdienst, damit er sich endlich mal ein neues Auto leisten konnte und eine Frau an seiner Seite fehlte ihm schon lange. Sein Wohnort gefiel ihm auch nicht wirklich, zu viel Industrie rundherum, er würde viel lieber idyllisch im Grünen wohnen.
In seinen Aufzählungen darüber, was er denn nun noch alles entbehrte, um glücklich zu sein, wurde er von einem Blitzgedanken jäh unterbrochen.
Was wäre denn, wenn nun eine gute Fee kommen würde und ihm jetzt auf der Stelle alle diese Wünsche auf einen Schlag erfüllen würde, wäre er dann glücklich?
Ihm wurde ziemlich schnell klar, dass er ganz sicher zufriedener wäre, zumindest für dem Augenblick, aber glücklich?
Um glücklich zu sein, musste da nicht alles dauerhaft gut laufen, also etwa als wenn er ein Abo gewonnen hätte, für einen endlosen „Friede Freude Eierkuchenzustand“, natürlich mit sofortigem Upgrade sobald etwas zum perfekten Glück fehlte, also sozusagen ein unerschöpflicher Vorrat an Urlaub, Geld, tollen Frauen, schicken Autos, neuen Häusern in attraktiven Wohngegenden und weißt du was nicht alles?
Wäre dieses Abo die Eintrittstür zum Glück?
Je länger er sich diesen Zustand vorzustellen versuchte, desto weniger begehrenswert erschien er ihm.
Wenn er immer sofort bekäme, was ihm gerade zu fehlen schien, dann würde wohl die Selbstverständlichkeit sehr bald das Glücksgefühl aufgefressen haben.
Er resümierte: Wenn man alles hatte was man wollte, machte das auch nicht glücklich.
Aus dieser Erkenntnis schloss er, dass das Glück sich wohl irgendwo zwischen all den unerfüllten Wünschen und geplatzten Träumen versteckt halten müsse.
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
Zwischen den unerfüllten Wünschen und geplatzten Träumen da war er ja bereits angekommen.
Das war doch genau hier, mitten in seinem Leben.
Da stand er, Felix der Glückliche, direkt neben dem Glück und hatte es nicht bemerkt.

Ich pflücke mir jeden Tag ein Wort

Ich pflücke mir jeden Tag ein Wort
mitten aus meiner Gedankenwolke,
eines nur von abertausenden
nehme ich sanft in mein Herz
um es zu empfangen, zu liebkosen,
zu wiegen, wie ein kleines Kind,
um es zu bewahren, zu schätzen,
zu hören wie ein Lied,
um es zu beschützen, zu bestaunen,
auszukosten wie einen Schatz,
um es zu sehen, zu spüren,
zu erwecken wie ein Samenkorn.
Heute heißt es
DANKBARKEIT.

Mein Garten des neuen Jahres

In meinem Garten des neuen Jahres wachsen 52 Wochen mit 365 Tagen.
Ich bin der Gärtner und habe die Verantwortung für 8.760 Stunden mit 525.600 Minuten.

Am 31. Dezember 2018
um 23.59 Uhr wird sie dann angebrochen sein, die letzte Minute des Jahres.

Dann werden sie wieder akribisch gezählt, die letzten 60 Sekunden.
Erst jetzt fallen sie ins Gewicht, diese Winzlinge die das ganze Jahr über nicht beachtet werden.
Und doch würde ohne  sie nicht eine einzige Minute zustande kommen.

Wenn der 31. Dezember 2018 ins Land zieht, werden sie wieder laut, die Stimmen der Kritiker und Zyniker, der Lamentierer und Nörgler,der Schwarzmaler und Besserwisser und dabei wurden sie alle, jeder Einzelne von ihnen, am Anfang des Jahres überreich beschenkt mit 31.536.000 Sekunden.

Jede Sekunde ist wie ein Samenkorn das darauf wartet eingepflanzt und gehegt und gepflegt zu werden.
Aus ihnen wächst das, was am Ende des Jahres wie eine Ernte vor uns liegt.
Ob wir dann schimpfen und jammern oder dankbar sind liegt in unserer Hand.

In der Mitte der Zeit

In der Mitte der Zeit

Die Spannung wurde von Sekunde zu Sekunde größer. Jetzt würde es nicht mehr lange dauern bis endlich der Startschuss fiel. Alle Tage des kommenden neuen Jahres hatten sich an der Startlinie versammelt und drängelten, zupften und stupsten sich gegenseitig um den besten Platz zu erhaschen.
Da entbrannte in der letzten Reihe ein eifriges Wortgefecht. Eine ganze Horde von Tagen stritt sich darum, wer der letzte Tag sein durfte. Es gab ein wildes Gerangel und endlich hatten alle Tage erschöpft und völlig außer Atem ihren Platz eingenommen.
Eine uralte Eiche, die schon unzählig viele Jahre an der Pforte der Zeit stand, hatte wieder einmal diesem hektischen Treiben zugesehen und fragte:
„Warum um alles in der Welt habt ihr euch um eure Plätze gestritten? Jedes Mal, wenn das Ende des alten Jahres naht ist es das selbe Spiel. Ihr seid doch alle gleich, warum sollte ein Tag wichtiger oder besser als der andere sein?“
„Das liegt doch klar auf der Hand“, ließ sich der Tag, dem es gelungen war die begehrte Position zu ergattern mit stolz geschwellter Brust vernehmen : „Weil die Menschen die meisten Tage des Jahres nicht sonderlich beachten, aber am letzten Tag des Jahres sind sie hellwach! Viele jammern, dass nun das alte Jahr schon fast vorbei ist und wollen am liebsten die Zeit anhalten. Die anderen können es gar nicht abwarten, bis das neue Jahr endlich beginnt, denn sie hoffen darauf das alles besser wird. Also liegt ihre ganze Aufmerksamkeit auf diesem letzten Tag und dadurch wird er so bedeutsam“.
Als die Antwort verklungen war ertönte ein kleines glockenhelles Stimmchen und triumphierte: „Ich bin die allerletzte Sekunde im Jahresreigen und meinen Brüdern und Schwestern, den letzten Sekunden des alten Jahres, gebührt wohl unumstritten eine besondere Ehre, denn keiner von euch ist dem neuen Jahr so nah wie wir. Auf mir liegt indes die allergrößte Aufmerksamkeit, denn mein Nachklang ist gewaltig: Glitzernd, prickelnd und knallend!“
Eine Weile war es still geworden bis das kecke Kichern eines munteren Sekündchens irgendwo aus der Mitte der Zeit erklang:
„Was würdet ihr alle, die ihr euch so wichtig nehmt nur tun, wenn ich mich einfach aus dem Staub machen würde? Da gäbe es aber ein gewaltiges Durcheinander und ohne mich würdet ihr alle bedeutungslos, denn keiner wüsste an welchem Platz er steht und das Jahr könnte kein Anfang und kein Ende finden, wenn ich fehlen würde!“

Licht im Herzen – Der Weg der Könige

Manchmal ist dein Weg unübersichtlich,
Manchmal gehst du Umwege
Manchmal ist dein Ziel nicht erkennbar.

So ist es auch uns ergangen,
als wie uns auf den Weg machten.
Wir hatten keine sichere Wegbeschreibung in unseren Taschen,
nur unser  Vertrauen darauf,
dass der Stern uns  leitet.
Manchmal ist es auch für dich Zeit
bedingungslos zu vertrauen.

Du brauchst auf
deinem Weg, der im Dunkeln liegt
nur das Licht,
das in deinem Herzen leuchtet.

(C) Beate Neufeld
11.10.2017