Geschenke auspacken

Das Geschenk des heutigen Tages
Neulich hörte ich einen Spruch in dem in etwa zum Ausdruck gebracht wurde, dass jeder Mensch bei seiner Geburt die ganze Welt geschenkt bekommt und dass die meisten Menschen sterben, ohne dass sie das Geschenkband überhaupt gelöst haben.
Nun, ich stelle es mir so vor, dass unzählig viele Geschenke auf meinem Lebensweg darauf warten, von mir entdeckt und ausgepackt zu werden.
Heute war so ein Tag, an dem mein Blick aufmerksam und meine Sinne wach waren.
Ich habe meine Geschenke heute ausgepackt:
Der Duft des Sommers nach Getreide und Lindenblüten, der Gesang der Lerchen und das muntere Krächzen der Krähen.
Die Wölkchen über dem Feldweg und die mutige Mohnblume die als Einzelexemplar stolz und selbstbewusst noch ein Stückchen höher gewachsen ist als alles um sie herum.
Die Sonne auf meiner Haut und das gelegentliche kühle Lüftchen.
Der Anblick der friedlichen Landschaft, die nichts weiß von Feindschaft und Kampf.
Ich wünsche dir, dass du die Geschenke auspacken wirst, heute, morgen und an jedem deiner Tage.

Felix – Der Glückliche

Als Felix an diesem Morgen seinen rechten Arm widerstrebend aus der ihn wohlig wärmenden Bettdecke herausstreckte um den aufdringlichen Wecker mit einem beherzten Schlag zum Schweigen zu bringen, schien es ein ganz normaler Tag zu werden.
Sein erster Gang führte ihn wie gewöhnlich in die Küche.
Der Griff zur Schranktür um die Filtertüte und das Kaffeepulver herauszuholen war zur liebgewordene Routine geworden.
Felix blieb seinen Traditionen gerne treu, er war kein Freund von diesen herzlosen Kaffeevollautomaten, nein er liebte es, dem Gluggern des sich langsam erhitzenden Wassers zu zuhören, während er im Bad seine Zähne putzte.
Wie stets an seinen arbeitsfreien Tagen setzte er sich auch heute mit einer Tasse Kaffee an den Küchentisch und blätterte in einer Illustrierten.
Jetzt blieb sein Blick an der Überschrift einer Werbeanzeige hängen:
„Lässt das Glück auf sich warten?“
Es folgte eine Werbung für den Kauf von Lotterielosen, aber Felix las nicht weiter.
Diese Frage traf ihn mitten ins Herz, er fühlte sich ganz persönlich angesprochen.
Lässt das Glück auf sich warten?
Was für eine merkwürdige Frage?
Während er darüber nachdachte kamen immer weitere Fragen in ihm auf, so als wenn er einer Pflanze, die zahlreiche Ableger bildet, im Zeitraffer beim Wachstum zusehen könnte.
Wartet das Glück auf mich?
Warte ich auf das Glück?
Was ist Glück?
Wo kann ich es finden?
Kann ich das Glück überhaupt finden oder kann nur das Glück mich finden?
Eine ganze Weile schwirrten diese Fragen in Felix Kopf herum und es wurde ihm staunend bewusst, dass er sich noch niemals zuvor Gedanken darüber gemacht hatte.
Seltsam berührt kam ihm jetzt in den Sinn, dass sein Name aus dem Lateinischen kommt und „ Der Glückliche“ bedeutet.
Dann müsste das Glück ja bereits bei ihm sein?
Ich bin Felix der Glückliche, bin ich denn wirklich glücklich?
Nach einer Weile bemerkte er, dass er eigentlich viel besser wusste,
was er nicht war, was er nicht hatte, was er nicht mochte, welche Träume sich nicht erfüllt hatten.
Im Moment war er auf jeden Fall nicht unglücklich, aber glücklich war er eigentlich auch nicht, denn es gab doch so Einiges, was ihm zum perfekten Glück fehlte.
Zum Beispiel eine größere Wohnung, wo er sich ein Hobbyzimmer einrichten könnte, einen besseren Verdienst, damit er sich endlich mal ein neues Auto leisten konnte und eine Frau an seiner Seite fehlte ihm schon lange. Sein Wohnort gefiel ihm auch nicht wirklich, zu viel Industrie rundherum, er würde viel lieber idyllisch im Grünen wohnen.
In seinen Aufzählungen darüber, was er denn nun noch alles entbehrte, um glücklich zu sein, wurde er von einem Blitzgedanken jäh unterbrochen.
Was wäre denn, wenn nun eine gute Fee kommen würde und ihm jetzt auf der Stelle alle diese Wünsche auf einen Schlag erfüllen würde, wäre er dann glücklich?
Ihm wurde ziemlich schnell klar, dass er ganz sicher zufriedener wäre, zumindest für dem Augenblick, aber glücklich?
Um glücklich zu sein, musste da nicht alles dauerhaft gut laufen, also etwa als wenn er ein Abo gewonnen hätte, für einen endlosen „Friede Freude Eierkuchenzustand“, natürlich mit sofortigem Upgrade sobald etwas zum perfekten Glück fehlte, also sozusagen ein unerschöpflicher Vorrat an Urlaub, Geld, tollen Frauen, schicken Autos, neuen Häusern in attraktiven Wohngegenden und weißt du was nicht alles?
Wäre dieses Abo die Eintrittstür zum Glück?
Je länger er sich diesen Zustand vorzustellen versuchte, desto weniger begehrenswert erschien er ihm.
Wenn er immer sofort bekäme, was ihm gerade zu fehlen schien, dann würde wohl die Selbstverständlichkeit sehr bald das Glücksgefühl aufgefressen haben.
Er resümierte: Wenn man alles hatte was man wollte, machte das auch nicht glücklich.
Aus dieser Erkenntnis schloss er, dass das Glück sich wohl irgendwo zwischen all den unerfüllten Wünschen und geplatzten Träumen versteckt halten müsse.
Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
Zwischen den unerfüllten Wünschen und geplatzten Träumen da war er ja bereits angekommen.
Das war doch genau hier, mitten in seinem Leben.
Da stand er, Felix der Glückliche, direkt neben dem Glück und hatte es nicht bemerkt.

Heitere Traurigkeit

Leere Fülle
Leuchtendes Schwarz
Tonloses Lied
Wärmende Kälte
Trennende Nähe
Heitere Traurigkeit

Alles ist Jetzt
und lange vergangen
ewig vereint
und endlos entfernt

Nichts geht verloren
im Meer des Lebens.
Am Ufer stehend
reicht mein Auge nicht hinüber zu dir
wo deine Füße benetzt werden
vom Wasser des selben Meeres

Orte wie Inseln

Es gibt Orte
die sind wie Inseln für mich,
an denen meine Seele
einen Anker setzen
und verweilen kann.
Hier tauche ich ein
in eine andere Welt,
aus der mir Liebe und Frieden,
Geborgenheit und Zuversicht
zufließen und alle meine Zellen
mit heilsamer Kraft erfüllen.
Selbst wenn ich diese Orte verlasse,
bleibt die Verbindung in mir lebendig.
Ich kann jederzeit in Gedanken dort hinreisen
und diese Energie wachrufen.

(C) Beate Neufeld

Das Licht einfangen

Lebenskraft
Liebesfunken

Das Licht einfangen
überall wo du es wahrnimmst.

Das Licht auftanken
überall wo es dich erreicht.

Vielleicht ist es das Wichtigste
was wir im Leben lernen können:

Nicht nachlassen
uns nach dem Licht auszurichten.

Nicht aufhören
nach dem Licht zu suchen.

Es lässt sich finden
Selbst die Nacht ist nicht ohne Licht.

(C) Beate Neufeld
13.06.2017

Das Glück

Das Glück

Es war einfach unglaublich,
da hatte das Glück tage- und wochenlang
damit zugebracht,
hinter ihr herzulaufen,
sie zu umgarnen,
ja sogar sich ihr in den Weg zu stellen,
nur damit sie endlich das Glück entdecken würde.
Aber sie war einfach schneller,
ließ sich nicht halten
und lief im Zickzackkurs gekonnt um das
Glück herum,
als ob sie eine neue sportliche Disziplin
erfunden hätte.
Sie war geübt und so ausdauernd trainiert,
dass das Glück schließlich völlig entkräftet aufgeben musste.
Es blieb einfach am Rand des Weges liegen,
und da liegt es immer noch,
denn es hatte beschlossen,
sich niemals mehr gewaltsam aufzudrängen.
Fortan wollte es nur noch freiwillig gefunden werden.
Wenn du es entdecken möchtest,
dann sei gewiss,
dass es geduldig wartet
und sich von dir finden lässt.

Das Glück hat tausend mal tausend Gesichter.
Manchmal entdeckte ich es in einem lachenden Kindergesicht, zuweilen auch in einer leuchtenden Blume im Feld.
Ich konnte es in der Melodie des Windes hören
und in der salzigen Meeresluft schmecken.
Vielleicht legt es sich dir als moosiger Waldweg unter die Füße
oder begegnet dir in einem ehrlichen Wort aus Freundesmund?
Wenn du es gefunden hast, dann wirst du wissen, wie es aussieht,
aber nur für diesen Augenblick und für dieses eine Mal.
Es lässt sich nicht halten und wird sich schon bald ein neues Gewand anlegen.
Das Glück hat tausend mal tausend Kleider.

Glücksmomentesammler

Das Geschenk des Augenblickes ist ein Stück Himmel mit einer Lücke in den Wolken, die groß genug ist um mir ein Sonnenbad zu gewähren.

Das Wetter rundherum, ob vorher oder nachher ist mir völlig gleichgültig, denn ich bin ein Glücksmomentesammler.

Das Geschenk des Augenblickes sind zwei Hundepfoten, die sich auf meine Knie stellen, um mir zu zeigen, dass es Zeit für eine Schmuserunde ist.

Mein Stimmungsbarometer rundherum, ob vorher oder nachher ist mir ganz unwichtig, denn ich bin ein Glücksmomentesammler.

(C) Beate Neufeld
29.04.2017

Warum der Marienkäfer auch Glückskäfer genannt wird

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Miriam saß auf der Schaukel im Garten und summte vergnügt vor sich hin.
Großvater Valentin hatte es sich mit einem Buch auf der gemütlichen Gartenliege bequem gemacht.
Aber die Ruhe war nicht von langer Dauer und schon war eine neue Frage auf Miriams Lippen:
„Opa, warum heißen die Marienkäfer auch Glückskäfer ?“
Valentin dachte kurz nach und sagte dann schmunzelnd:

„Ich erzähle Dir eine Geschichte, dann weißt Du warum.

Es war an einem x beliebigen Tag, als das kleine Glück auf einer Wiese saß und betrübt den Kopf hängen ließ.

„Was hat das alles nur für einen Sinn, wenn immer mehr Menschen unglücklich sind,“ sinnierte es.
„Ich höre die Menschen sagen: Wenn ich mir dieses schöne Haus am Meer kaufen könnte, dann würde es mir besser gehen, dann könnte ich endlich durchatmen und müsste nicht in dieser lauten Stadt leben.Wenn ich nur öfter in Urlaub fahren könnte, dann hätte ich mehr Kraft und Lebensfreude, aber ich muss hier zu Hause bleiben, weil ich es mir nicht leisten kann. Wenn ich nicht soviel Arbeit hätte, dann hätte ich auch mal Zeit für meine Hobbys, aber die Arbeit lässt mir keinen Raum und abends falle ich dann todmüde ins Bett.
Ach, ich höre jeden Tag immer wieder neue Klagen, es hört einfach nicht auf!“

Der Marienkäfer Paul hatte von seiner Grasschaukel aus das Kleine Glück eine ganze Weile beobachtet. Es war ein jämmerlicher Anblick und Paul beschloss nun, dass es höchste Zeit wurde einzugreifen! Denn wenn das kleine Glück nun schon selber unglücklich wurde, wie sollte es dann weiter gehen? Es würde sich früher oder später ganz auflösen und aus der Welt verschwinden.
Nein, das durfte auf keinen Fall geschehen! Das musste sofort verhindert werden!

Also startete Paul voller Tatendrang und landete in diesem Moment mit Schwung direkt auf der Nase des kleinen Glückes. Dabei kitzelten seine Beinchen das kleine Glück so sehr, dass es heftig niesen musste. Der Käfer wurde durch diesen Ruck von der Nase katapultiert und purzelte direkt vor die Füße des kleinen Glückes. Weil er auf seinem Rücken gelandet war, strampelte Paul eine Weile unbeholfen mit seinen Beinchen.

Das kleine Glück putzte sich die Nase und wurde dann auf den Käfer zu seinen Füßen aufmerksam.
Paul hatte es indessen fast geschafft und brauchte nur noch einige wenige Strampelbewegungen, um sich schließlich wieder aufzurappeln. Diesen Anblick fand das kleine Glück so vergnüglich, dass es herzhaft lachen musste.

Paul registrierte stolz und erleichtert die Wirkung seines gelungenen Auftrittes. „Ach du meine Güte, dass ist ja gerade noch mal gut gegangen, es wurde aber auch höchste Zeit, dass du wieder zu dir selber findest, liebes Glück“ , sagte Paul. „Ich hatte dich fast nicht mehr erkannt, als ich dir vorhin von meiner Schaukel aus zuschaute. Was war denn los mit dir?“

Das kleine Glück erzählte Paul was es betrübt hatte und es endete mit den Worten: „Wie bin ich froh, dass du mir geholfen hast, du bist ein richtiger Glückskäfer.“ Als es seine Rede beendet hatte, stutzte es einen Moment und dann kam ihm die rettende Idee: „Weißt du Paul, mir ist jetzt klar geworden, warum so viele Menschen unglücklich sind. Ihnen geht es genauso, wie es mir gerade gegangen ist, kurz bevor du kamst. Sie sind so beschäftigt, mit dem was sie unglücklich macht, dass sie gar nichts Anderes mehr sehen können. Sie glauben, dass sie erst dann glücklich sein könnten , wenn alles nach ihren Vorstellungen läuft und sitzen da und warten Tag ein Tag aus auf das große Glück und sehen mich, das kleine Glück überhaupt nicht, obwohl ich immer und überall da bin.
Ich glaube, dass du lieber Paul und deine Freunde mir sehr gut helfen könnt, denn die Menschen brauchen dringend jemanden, der sie von den trübsinnigen Gedanken ablenkt, damit sie mich wieder sehen können. Gemeinsam gelingt es uns vielleicht, die Menschen glücklich zu machen.“

Seither sind Paul und seine Freunde mit Feuereifer am Werk. Emsig schwingen sie ihre zarten Flügelchen und suchen die Nähe der Menschen.
„Also, meine kleine Miriam“, endete Großvater mit seiner Geschichte, „wenn du einmal wieder einen Marienkäfer siehst, dann weißt du jetzt, dass er dich auf das kleine Glück aufmerksam machen möchte.“
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