Vom Eindruck zum Ausdruck

Vom Eindruck zum Ausdruck

Ich nehme mir
ein Lied
ein Wort
ein Bild
ein Naturerlebnis
und lasse mich beeindrucken
damit mein Inneres
Ausdruck finden kann.
Wenn mein Inneres
Ausdruck findet
werde ich
mir selber
zum „Gesprächspartner“;
indem ich „mir zuhöre“
lerne ich mich anzuschauen
wie mit den Augen eines guten Freundes.

Heute beim Spaziergang komme ich wieder einmal mit mir selber ins Gespräch.
Ein recht temperamentvoller Wind pfeift mir um die Nase, er rüttelte an den Zweigen der Bäume und treibt die Wolken eifrig vor sich her als wolle er mir zurufen: Das neue Jahr zieht ein, es braucht frischen Wind, damit nicht alles beim Alten bleibt! Ich denke so bei mir, dass Einzug und Auszug oft Hand in Hand gehen. Wo etwas hinein will, braucht es Platz, selbst der Atmen geschieht im Zusammenspiel von Aufnehmen und Abgeben.
So gehe ich meines Weges und beobachtete das Treiben der Wolken und lausche dem Gesang des Windes und spüre die belebende Frische in meinem Gesicht.
Dann wird mir bewusst wie gut es mir tut einfach in meinem eigenen Rhythmus zu laufen ohne mich dabei selber anzutreiben, weil ich denke ich müsste sportlicher unterwegs sein.
Meine Füße gehen wie von selbst, ich bin im Einklang, alle Anstrengung weicht einer angenehmen Tragkraft.
Die Worte „Ich lasse mich gehen“, kommen in meinen Sinn, indem mir die Doppeldeutigkeit bewusst wird fällt mir auf wie negativ das „Gehenlassen“ im Allgemeinen behaftet ist: „Lass dich doch nicht so gehen!“
Ein Gedicht formt sich und so findet mein Inneres den Ausdruck:

Lass dich nicht so gehen!

Und ob ich mich gehen lasse!
Und zwar genauso!
Ganz in meinem eigenen Rhythmus.
Ohne meinen Schritt anzupassen!
Ich werde zum Selbstläufer!

Das Mosaik des Lebens

Keine Frage, das Leben hatte ihm übel mitgespielt. Er schleppte sich schon eine lange Zeit mehr schlecht als recht durch die Tage und es schien so, als ob das Glück mit ihm Verstecken spielte. Er haderte mit dem Sinn des Lebens und seine Gedanken liefen unaufhörlich im Kreis, wie ein Hamster in seinem Rad: „So viele Verletzungen, so viele Kämpfe, so viele Hindernisse und Enttäuschungen, So viel Trauer, so viele Fehler so viele Zweifel und Ungerechtigkeiten…“
Auch heute ist er wie schon so oft schließlich vor Erschöpfung eingeschlafen. Er träumt von einer Eule, die auf dem obersten Ast eines uralten Baumes sitzt. Sie hat außergewöhnlich große und hellstrahlende Augen. Als die Sonne bereits unter gegangen ist, breitet sie ihre Flügel aus und zieht in der Luft einen weiten Kreis, bis sie sich auf einer kleinen Mauer niedersetzt.

Der Jüngling findet sich im Traum nun selbst an diesem Ort auf der Mauer sitzend wieder. Er erkennt, dass er sich auf einem Friedhof befindet, auf dem keine gewöhnlichen Gräber sind. Die Grabplatten sind allesamt mit bunt schillernden Mosaiken verziert, die sich aus mehr oder weniger Platten zusammensetzen. Als er verwundert über den Friedhof geht, steht er plötzlich einem Greis gegenüber und fragt ihn, warum dieser Friedhof so ganz anders aussieht.

Der Alte erklärt ihm, dass jeder Mosaikstein für ein Lebensjahr steht. Jeder Bewohner des Dorfes bekommt von seiner Geburt an zu jedem Geburtstag eine bemalte Platte geschenkt und mit dem zwölften Geburtstag beginnt er fortan selbst damit sinnbildlich für das vergangene Lebensjahr eine Platte zu bemalen. Die Platten werden sorgsam aufbewahrt und am Lebensende von den Nachfahren zu einem Mosaik zusammengesetzt und auf die Grabplatte aufgelegt.
Wie aus den Wolken gefallen findet er sich ruckartig erwacht in seinem Bett wieder. Er hat Mühe in die Realität zurück zu finden, denn der Traum hält ihn noch fest.
Während er dem Traumerlebnis nachsinnt fällt es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen und er erkennt die Botschaft: Die Kunst besteht darin, das Leben als Ganzes zu betrachten, mit all seinen Höhen und Tiefen. Alles, ob schwer oder leicht ob dunkel oder hell hat seinen Platz im Lebensmosaik und im Zusammenspiel der Komponenten erschließt sich der Sinn Stück für Stück.

Lebensmosaik
Mein Leben
ist wie
ein Mosaik
mal wähle ich
mal nehme ich hin
was sich
Stück für Stück
zusammenfügt
Im Laufe
der Jahre
erkenne ich
immer deutlicher
die Schönheit
des einzigartigen
Musters



In unserem Leben liegt soviel Auferstehung

In unserem Leben liegt soviel Tod
nicht nur der Tod der unwillkürlich eingewoben ist
sondern der Tod den wir selbst geschehen lassen,
weil wir unser Leben beschneiden
aus Pflichtgefühl oder Schuldgefühl
aus mangelnder Selbstliebe oder Opferbereitschaft
weil wir uns selber nicht ernst genug nehmen
und unsere Verantwortung in fremde Hände geben

In unserem Leben liegt soviel Lebenskraft
wie wir bereit sind aufzuspüren und aufzugreifen
und dann geschieht Auferstehung
nicht nur die Auferstehung an die die Christen glauben
sondern deine ureigene Auferstehung
die dich vom Staub befreit
die deine ungeahnten Kräfte weckt
die dir die Ketten löst
und deine Füße auf neue Wege lenkt

Trotzdem

Trotzdem

Wo Logik und Verstand blockieren,
will ich mich der größeren Wahrheit öffnen
und an das Unglaubliche glauben.

Wo aus Angst Worte fehlen,
will ich mein Ohr an den Seelengrund legen
und das Ungesagte hören.

Wo der Blick verschleiert ist,
will ich meine Herzensaugen öffnen
und das Unsichtbare sehen.

Wo mir Naivität vorgeworfen wird,
will ich bei mir bleiben
und auf meine innere Weisheit vertrauen.