Löwenzahn im Herbst

Wie viele Samen werden noch aufgehen
und wie lange bleibt dann Zeit zum Blühen?
Hat das Wachsen und Reifen jetzt noch einen Sinn?
Findet sich ein schützender Unterschlupf bis zum Frühling?
Überdauert die Lebenskraft  den langen Winter?

Während ich so schauend sinne, wächst in mir die Frage nach dem eigenen Leben:
Habe ich all meine Gaben genutzt
anstatt mich resignierend abzufinden
mit dem Glauben an die Macht der Unzulänglichkeiten?
Und was bleibt von mir, wenn die Zeit des Herbstes überschritten?

Ungetragen

Sie stand vor dem geöffneten Kleiderschrank. Ihre Blick streifte aufmerksam über den Inhalt der nun wie ein geöffnetes Buch vor ihr lag und von einem vergangenen Leben erzählte. Behutsam strich sie mit ihrer Hand von rechts nach links entlang der Kleidungsstücke die fein säuberlich aufgereiht auf ihren Bügeln hingen.
“ Kind wie läufst du denn schon wieder herum, was sollen den bloß die Leute denken? Der erste Eindruck zählt und dabei ist eine angemessene Kleidung enorm wichtig!“ Tante Irmtrauds Stimme klang noch immer in ihr nach.
Sie selbst wählte ihr Kleidung ganz nach Lust und Laune aus und so war sie nach Ansicht ihrer Tante eigentlich fast nie passend angezogen.
„Du kannst doch nicht dein bestes Kleid an einem Tag wie heute anziehen, das ist doch ein Festtagkleid!“
Sie stand noch immer vor dem Schrank und zog nun von rechts nach links einzelne Bügel heraus um sich die Kleider näher anzuschauen. Jedes Teil weckte in ihr eine Erinnerung, und sie sah die Tante darin wie sie zum Beispiel in der Küche kochte oder im Garten arbeitete.
Als ihre Hand fast die gesamte Reihe abgegriffen hatte, zog sie ein Kleid heraus, welches sie noch nie gesehen hatte. Es war noch völlig ungetragen, und war noch mit dem Preisettikett versehen. Es war wunderschön, ein wahres Prachtstück. Aber es war offensichtlich niemals „zum Einsatz“ gekommen. Nicht nur durch die Tatsache, dass es neuwertig war, ließ es sich von den anderen Teilen unterscheiden, sondern auch dadurch, dass es als einziges Exemplar unter lauter Alltagskleidern die Bezeichnung „Festtagskleid“ verdient hatte.
Sie betrachtete das jungfräuliche Kleid in ihren Händen und ihr wurde klar, dass dies ein Symbol war für alle ungelebten Träume ihrer Tante, die unter dem Vorwand des Pflichtbewusstseins im hintersten Winkel des Herzens vergraben wurden. In Tante Irmtrauds Leben hatte es  keinen Platz für Feste, Leichtigkeit und Lebenslust gegeben.
„Erst die Arbeit, dann das Spiel!“, war ihr Wahlspruch und Arbeit gab es immer.
Betroffen hängte sie das Kleid wieder an seinen Platz.
Als sie den Schrank geschlossen hatte, hatte, nahm sie eine Frage in ihrem Herzen mit: Welche Kleider habe ich in den hintersten Winkel verschlossen die darauf warten von mir ins Leben getragen zu werden?

Das Licht einfangen

Lebenskraft
Liebesfunken

Das Licht einfangen
überall wo du es wahrnimmst.

Das Licht auftanken
überall wo es dich erreicht.

Vielleicht ist es das Wichtigste
was wir im Leben lernen können:

Nicht nachlassen
uns nach dem Licht auszurichten.

Nicht aufhören
nach dem Licht zu suchen.

Es lässt sich finden
Selbst die Nacht ist nicht ohne Licht.

(C) Beate Neufeld
13.06.2017

Mein Leben steht unter einem guten Stern

Mein Leben steht unter einem guten Stern

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann leuchtet auch in dunklen Zeiten
ein Hoffnungsschimmer für mich.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann ergreife ich in den Herausforderungen
die Chance des Lernprozesses.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann wächst mir der Mut zu,
immer wieder neu zu beginnen.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann vertraue ich darauf,
dass alles seinen Sinn hat.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann weiß ich,
dass auch kleine Schritte zum Ziel führen.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann darf ich mir selber verzeihen
und mich lieben so wie ich bin.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann erkenne ich die Fügungen und Führungen
auf meinem Weg.

Wenn mein Leben unter einem guten Stern steht,
dann gibt es keinen Tag an dem
der Grund zum Danken fehlt.

Wie es zur Entstehung dieses Gedichtes kam, könnt ihr, wenn ihr möchtet, auf meinem Blog Plauderpause nachlesen.

Hier und Jetzt – Gedanken am Silvesterabend

Dieses Mal sollte es so ein, dass mein Mann und ich den Silvesterabend alleine mit Priska zu Hause verbrachten. Ein befreundetes Ehepaar hatte kurzfristig abgesagt, weil unsere Freundin sich eine Erkältung zugezogen hatte. Es wurde also ein sehr beschaulicher Abend der mir gut getan hat. Mir kam in den Sinn, dass sich mein Verhältnis zu Silvester im Laufe der Jahre deutlich geändert hat. Früher war dieser Abend mit vielen Emotionen verbunden und heute wird mir immer deutlicher bewusst, dass an Silvester um Mitternacht eine Zeitgrenze überschritten wird, die entweder nur in unseren Köpfen besteht oder anders betrachtet überschreiten wir in Wahrheit sekündlich diese Zeitschwelle.
Die Zeit fließt unaufhörlich, wir sind uns dessen nur sehr selten bewusst. Mein Zeitgefühl hat sich mit meinen Erfahrungen im Laufe des Lebens verändert. Besondere Auswirkungen hatte der frühe Tod von Menschen aus meinem näheren Umfeld.
Diese Erlebnisse richteten meinen Fokus auf die eigene Sterblichkeit, auf die Endlichkeit meines Lebens hier auf dieser Erde. Ich habe beobachtet, dass ich gerade nach dem Tod meines Bruders sensibilisiert war, wenn ich Sätze hörte wie: „ Wenn ich später mal in Rente bin, dann werde ich Dieses oder Jenes tun, dann habe ich Zeit dafür.“ Ich sagte dann, dass ich mir erlauben will, nach Möglichkeit die Dinge die mir wirklich wichtig sind nicht aufzuschieben sondern Jetzt in Angriff zu nehmen.

Erwartungen 

Es geschah an einem Tag in der Adventszeit.
Ich schloss den Briefkasten auf und holte etwas missmutig den dicken Stapel mit Werbeanzeigen heraus.
Fast wäre mir der Briefumschlag der dazwischen herausrutschte vor die Füße gefallen, wenn ich ihn nicht im letzten Moment noch aufgefangen hätte. Er war etwas unförmig und hatte keinen Absender.
Meine Neugier war geweckt und ich riss ihn ungeduldig auf.
Der Inhalt verblüffte mich total, denn ich hielt einen Briefbogen und einen kleinen leeren Bilderrahmen aus Holz in den Händen.
Auf dem Papier las ich nur diesen einen  Satz: „Ich bin schon da!“ Fassungslos schüttelte ich meinen Kopf. Was hatte das zu bedeuten?
Als ich den Rahmen näher in Augenschein nahm, entdeckte ich auf der Rückseite  noch einen Satz, der mit winzigen Buchstaben auf den Rand geschrieben war : „Gib deinen Erwartungen einen neuen Rahmen!“
Wie Schuppen fiel es mir plötzlich von den Augen und ich wusste:
„Gott lässt sich finden, wenn ich ihn erwarte.
Es kommt auf meinen Blickwinkel an und darauf, ob ich bereit bin ihn zu sehen.
Seither trage ich  den kleinen Rahmen oft mit mir, ganz besonders gerne, wenn ich in der Natur unterwegs bin.
Heute beim Spaziergang schaute ich hindurch und blickte in die Augen der kleinen Dammkuh, die hinter dem Zaun auf der Wiese weidete.

Warum der Marienkäfer auch Glückskäfer genannt wird

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Miriam saß auf der Schaukel im Garten und summte vergnügt vor sich hin.
Großvater Valentin hatte es sich mit einem Buch auf der gemütlichen Gartenliege bequem gemacht.
Aber die Ruhe war nicht von langer Dauer und schon war eine neue Frage auf Miriams Lippen:
„Opa, warum heißen die Marienkäfer auch Glückskäfer ?“
Valentin dachte kurz nach und sagte dann schmunzelnd:

„Ich erzähle Dir eine Geschichte, dann weißt Du warum.

Es war an einem x beliebigen Tag, als das kleine Glück auf einer Wiese saß und betrübt den Kopf hängen ließ.

„Was hat das alles nur für einen Sinn, wenn immer mehr Menschen unglücklich sind,“ sinnierte es.
„Ich höre die Menschen sagen: Wenn ich mir dieses schöne Haus am Meer kaufen könnte, dann würde es mir besser gehen, dann könnte ich endlich durchatmen und müsste nicht in dieser lauten Stadt leben.Wenn ich nur öfter in Urlaub fahren könnte, dann hätte ich mehr Kraft und Lebensfreude, aber ich muss hier zu Hause bleiben, weil ich es mir nicht leisten kann. Wenn ich nicht soviel Arbeit hätte, dann hätte ich auch mal Zeit für meine Hobbys, aber die Arbeit lässt mir keinen Raum und abends falle ich dann todmüde ins Bett.
Ach, ich höre jeden Tag immer wieder neue Klagen, es hört einfach nicht auf!“

Der Marienkäfer Paul hatte von seiner Grasschaukel aus das Kleine Glück eine ganze Weile beobachtet. Es war ein jämmerlicher Anblick und Paul beschloss nun, dass es höchste Zeit wurde einzugreifen! Denn wenn das kleine Glück nun schon selber unglücklich wurde, wie sollte es dann weiter gehen? Es würde sich früher oder später ganz auflösen und aus der Welt verschwinden.
Nein, das durfte auf keinen Fall geschehen! Das musste sofort verhindert werden!

Also startete Paul voller Tatendrang und landete in diesem Moment mit Schwung direkt auf der Nase des kleinen Glückes. Dabei kitzelten seine Beinchen das kleine Glück so sehr, dass es heftig niesen musste. Der Käfer wurde durch diesen Ruck von der Nase katapultiert und purzelte direkt vor die Füße des kleinen Glückes. Weil er auf seinem Rücken gelandet war, strampelte Paul eine Weile unbeholfen mit seinen Beinchen.

Das kleine Glück putzte sich die Nase und wurde dann auf den Käfer zu seinen Füßen aufmerksam.
Paul hatte es indessen fast geschafft und brauchte nur noch einige wenige Strampelbewegungen, um sich schließlich wieder aufzurappeln. Diesen Anblick fand das kleine Glück so vergnüglich, dass es herzhaft lachen musste.

Paul registrierte stolz und erleichtert die Wirkung seines gelungenen Auftrittes. „Ach du meine Güte, dass ist ja gerade noch mal gut gegangen, es wurde aber auch höchste Zeit, dass du wieder zu dir selber findest, liebes Glück“ , sagte Paul. „Ich hatte dich fast nicht mehr erkannt, als ich dir vorhin von meiner Schaukel aus zuschaute. Was war denn los mit dir?“

Das kleine Glück erzählte Paul was es betrübt hatte und es endete mit den Worten: „Wie bin ich froh, dass du mir geholfen hast, du bist ein richtiger Glückskäfer.“ Als es seine Rede beendet hatte, stutzte es einen Moment und dann kam ihm die rettende Idee: „Weißt du Paul, mir ist jetzt klar geworden, warum so viele Menschen unglücklich sind. Ihnen geht es genauso, wie es mir gerade gegangen ist, kurz bevor du kamst. Sie sind so beschäftigt, mit dem was sie unglücklich macht, dass sie gar nichts Anderes mehr sehen können. Sie glauben, dass sie erst dann glücklich sein könnten , wenn alles nach ihren Vorstellungen läuft und sitzen da und warten Tag ein Tag aus auf das große Glück und sehen mich, das kleine Glück überhaupt nicht, obwohl ich immer und überall da bin.
Ich glaube, dass du lieber Paul und deine Freunde mir sehr gut helfen könnt, denn die Menschen brauchen dringend jemanden, der sie von den trübsinnigen Gedanken ablenkt, damit sie mich wieder sehen können. Gemeinsam gelingt es uns vielleicht, die Menschen glücklich zu machen.“

Seither sind Paul und seine Freunde mit Feuereifer am Werk. Emsig schwingen sie ihre zarten Flügelchen und suchen die Nähe der Menschen.
„Also, meine kleine Miriam“, endete Großvater mit seiner Geschichte, „wenn du einmal wieder einen Marienkäfer siehst, dann weißt du jetzt, dass er dich auf das kleine Glück aufmerksam machen möchte.“
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