Boot aus Hoffnung

Ich würde so sehnlichst gern

einen warmen weichen

Mantel der Geborgenheit um dich legen

und kann es doch nicht.

Ich würde so sehnlichst gern

ein schützendes tröstendes

Haus aus Licht für dich bauen

und kann es doch nicht.

Ich würde so sehnlichst gern

ein nährendes heilendes

Zelt der Stärke um dich errichten

und kann es doch nicht.

Darum setze ich all mein

Sorgen und Sehnen

meine Ängste und Wünsche

in ein Boot aus Hoffnung.

Im Vertrauen lasse ich die Leinen los

und bitte darum,

dass du gesegnet und geleitet bist

vom Segel der unendlichen Liebe.

Mögest du sicher deinen Weg finden

durch die Lebensstürme

zum Hafen der Bestimmung

wo du ganz und heil bist.

Unbeschreiblich

Manchmal ist es Zeit zu schweigen

Die Worte liegen wie Samen im Acker

Sie brauchen Zeit zu reifen und zu wachsen

Ich lege mein Ohr an das Herz der Erde

Und aus der Tiefe wächst ein leises Ahnen

Wie ein zarter Keim

Würde ich ihn vorschnell dem Boden entreißen

Blieben meine Worte tot und leer

Die Stille birgt die Quelle

Die das Unbeschreibliche ins Leben ruft

Baumkind

von ewigkeit zu ewigkeit

von ewigkeit zu ewigkeit

mir gleitet aus den händen
was ich halten will
mir zerreißt das herz
was ich nicht fühlen will
mir lähmt den schritt
was ich fliehen will
mich erdrücken lasten
die ich bezwingen will
mir erstickt die stimme
die doch trösten will
mir brennt in den augen
was ich nicht sehen will
mir raubt meine kräfte
was ich bezwingen will
mich ertränken tränen
die ich trocknen will
mich quälen ängste
weil ich nicht fallen will
in ein netz ohne boden
und krampfhaft suche
nach dem halt
den ich nicht greifen kann
Nur ein körnchen vertrauen
würde die grenzen
der verzweiflung sprengen
und ich könnte schauen
durch bislang verschlossene türen
dass wir bereits umfangen sind
getragen und gerettet
geheilt und erneuert
gestärkt und getröstet

von ewigkeit zu ewigkeit

Die Stimme der Natur

Fast wie im Paradies kam ich mir vor, während ich meine Füße  Schritt für Schritt durch das sommerliche Feld lenkte. Die Gräser nickten so friedlich und sanft im lauen Abendwind. Um meine Nase strich ein betörend honigsüßer Duft. Und als ob meine Sinne noch nicht genug hätten, erscholl ein bezauberndes Vogelkonzert. Liebliche Klänge hüllten mich wohlig ein. Doch dann durchdrang jäh der Ruf des Kuckucks die Idylle, immer und immer wieder und er ließ nicht ab bis ich aufmerkte und die Frage in mir aufstieg, was er wohl so dringlich zu verkünden habe?

Also hielt ich inne und öffnete meine Herzensohren, sein klagender Appell drang in meine Seele und mit jedem Ruf wurde die Botschaft unmissverständlicher:

Gebt Acht

Gebt Acht

Erwacht

Erwacht

Die Zeit ist knapp

Die Uhr läuft ab

Kehrt um

Kehrt um

Und seid nicht dumm

Seht an das Leid

Das ihr getan

Schaut euch die Mutter Erde an

Sie liebt euch ganz bedingungslos

Verzeiht euch jeden Tag auf‘s Neu

Doch ihre Kraft ist nicht mehr groß

Ergreift die Chance die ihr noch habt sofort

Sie wird nicht mehr vertagt

Nehmt das Leben in eure Hände

Und hütet es sorgsam

Sonst naht bald das Ende

Wie gegen Windmühlen

Es war ein sommersonniger Frühlingstag wie heute. Ich atmete die von honigsüßem Duft erfüllte Luft tief ein und war bereit mich jetzt vollkommen diesem perfekten Moment hinzugeben, als eine tiefe Männerstimme mit südländischem Akzent mich jäh aus meinen Träumen riss.

Der Besitzer der Eisdiele, an dessen Tisch ich saß, hatte sich am Nachbartisch niedergelassen.

„Heute ist das Wetter schön!“

Ich stimmte kopfnickend zu.

Eigentlich hatte ich kein Bedürfnis nach Smalltalk, aber um nicht unfreundlich zu wirken erwiderte ich: „Ja seit gestern ist es wieder richtig schön geworden.“

So, das war es dann, der Startschuss für ein angeregtes Gespräch war gefallen!

„Jaaa, schon schön“, erklang die etwas raue Stimme, „aber das ständige Hin und Her ist nicht gut.“ Er klopfte sich mit der rechten Hand an die Brust und senkte sorgenvoll seinen Blick.

Ich hatte durchaus Verständnis für den älteren Mann, denn obwohl locker geschätzt um Jahrzehnte jünger, weiß auch ich was Wetterfühligkeit bedeutet.

Also dachte ich bei mir, sei es jetzt angebracht, die positive Seite zu beleuchten und antwortete: „Aber der Regen tut der Erde ja auch gut!“

„Jaaa, aber früher war das Wetter viel besser!“

Ich schaute ihn etwas ungläubig an.

Mein Blick animierte ihn dazu in einen Vortrag über die negativen Auswirkungen des Klimawandels einzusteigen.

Ich hörte einerseits emphatisch zu, wartete aber andererseits etwas angespannt auf eine kleine Pause um den Hebel elegant umzulegen und die Konversation wieder auf die sonnige Seite des Lebens zu richten.

So sehr ich mich auch bemühte, war mein Unterfangen nicht von Erfolg gekrönt, denn unser Gespräch gestaltete sich wie ein Wettkampf im Armdrücken. Ich hatte einfach keine Chance gegen ihn. Kaum gelang es mir seine Aufmerksamkeit kurz auf optimistische Aspekte zu lenken, konterte er mit unbezähmbarer Kraft und unschlagbaren Argumenten, die keinen Zweifel offen ließen, dass früher alles besser war, sei es die Familien oder die Politik.

Ich versuchte verzweifelt meine letzten Kraftreserven zu mobilisieren und war schon fast ein bisschen stolz auf mich, als mir die rettende Idee kam. Ja, das musste einfach klappen, ich würde ihn mit meinem Lob auf sein gutes und so leckeres Eis in die Knie zwingen. Siegessicher sah ich im Geiste schon wie ein kleines Lächeln die Sorgenfalten in seinem Gesicht ein wenig glättet. Aber ich hatte ihn maßlos unterschätzt! Jahrelanges hartes Training hatten seinen Pessimismus einfach unschlagbar gemacht. Er bekam also überlegen die Kurve und schmetterte mich nieder. Wehrlos gab ich mich jetzt geschlagen und hörte mir stumm sein Wehklagen darüber an, dass er heutzutage kaum noch Arbeitskräfte findet.

Sichtlich geschwächt schaffte ich es mich mit letzter Kraft vom Stuhl zu erheben und mit gesenktem Blick einen Gruß zum Abschied zu hauchen.

Im Weitergehen kam mir das Bild von dem gegen Windmühlen kämpfenden Don Quijote in den Sinn.

Mir wurde bewusst, dass es Menschen gibt, die resistent sind gegen den Keim des Frohsinns, die wollen einfach nicht glücklich sein!

Siebenmeilenstiefel

Wie mit Siebenmeilenstiefeln

An deinem Geburtstag beginnt ein neues Lebensjahr, das alte ist vergangen und mit einem Anflug von Sentimentalität hältst du Rückschau und stellst zum wiederholten Male fest, dass die Zeit immer schneller dahin zu fliegen scheint.

Kaum setzt du deinen Fuß in das neue Jahr, wirfst du einen kurzen Blick auf die nächsten 12 Monate die noch jungfräulich vor dir liegen und beginnst schon im nächsten Augenblick damit zu mutmaßen, abzuwägen und zu vergleichen. Du vermagst in Sekundenschnelle durch die Zeit zu reisen, wie mit Siebenmeilenstiefeln. Darin bist du geübt, weil du fast unablässig trainierst. Jahrein jahraus, täglich, stündlich, sekündlich hastet dein Geist ruhelos zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her. 

Deine Lebenszeit rinnt dir dabei wie Sand durch die Finger. Während du beklagst, dass sie sich nicht halten lässt, bemerkst du nicht, dass du der Flüchtling bist, ein rastloser Wanderer, der am Leben vorbei läuft. So auch ein Reisender, der im fahrenden Zug sitzt und aus dem Fenster schauend den Eindruck gewinnt, dass die Landschaft an ihm vorbei rast. Würde er die Bremse ziehen, hätte die Reise ein Ende, denn er würde erkennen, dass er bereits am Ziel ist. 

Das Leben wohnt nicht im Gestern, noch im Morgen. Sein Haus ist ein wehender Hauch von Nichts und Allem was ist. Wenn du gewahr wirst, dass du bereits angekommen bist, kannst du darin Wohnung nehmen.

Bewohne dein Leben, damit du nicht stirbst bevor du gelebt hast!