16. Dezember

Was ich tun könnte

Wenn es draußen so früh dunkel
könnte ich eine Kerze anzuzünden
und darüber nachsinnen,
wer oder was meinem Leben
Licht und Freude verleiht
und wofür ich dankbar bin.
Das sind Geschenke,
wie Sterne auf meinem Lebensweg.
Und dann könnte ich die Augen schließen
und mir einen Sternenhimmel vorstellen,
und voller Dankbarkeit die Sterne anschauen,
die mein Leben erhellen.
Dann könnte ich mich an einen lieben Menschen erinnern,
der mir gemeinsame Sternstunden beschert hat
und ich könnte ihm einen Brief schreiben oder ihn anrufen
und mit ihm meine Dankbarkeit und Freude teilen.

12. Dezember

Doppelte Weihnachtsfreude

Auch wenn das Geld meines Vaters knapp bemessen war, so ließ er es sich dennoch nicht nehmen, für jedes Familien Mitglied ein liebevoll ausgewähltes Weihnachtsgeschenk zu kaufen.
Eines Tages wurde er allerdings auf wundersame Weise ganz unerwartet beim Einkauf des Geschenkes, welches meiner Mutter zugedacht war, selbst zum Beschenkten.
Beim Bummel durch die Stadt hatte er vor dem Schaufenster einer Parfümerie Halt gemacht, in dem einige Kosmetiktäschchen mit entsprechendem Inhalt in sehr hübschem Design ausgestellt waren.
Vor jeder Tasche standen kleine schwarze Täfelchen mit jeweils einer Ziffer, die nebeneinander aufgereiht den Preis anzeigten.
Sein Blick blieb auf einer Tasche in der hinteren Reihe hängen, die mit einem Flakon des Lieblingsduftes meiner Mutter und einem passenden Badezusatz bestückt war.

Der Preis war zwar nicht unerheblich, aber er dachte, er wäre gerade noch im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Daher ging er in das Geschäft und ließ sich die ausgewählte Tasche als Geschenk verpacken.
Als der Verkäufer ihm aber den Preis nannte, stockte meinem Vater vor Schreck der Atem und als er fassungslos nachfragte, weil er dem Preisschild im Schaufenster einen um einiges geringeren Preis entnommen hatte, stellte sich heraus, dass eines der kleinen Täfelchen umgekippt war und aus diesem Grund der falsche Preis angezeigt wurde.
Traurig sagte mein Vater, dass er sich das nicht leisten könne und bat verschämt um Verzeihung während er sich schon in Richtung Ausgang wendete.
Da ließ sich aus dem Hintergrund die Stimme des Ladenbesitzers vernehmen, die zu dem Verkäufer sagte: „Der Herr bekommt die Tasche zu dem Preis den er gesehen hat, denn schließlich ist doch bald Weihnachten!“
Ihr könnt euch vorstellen wie erstaunt mein Vater war und wie liebevoll sein Herz von dieser Großzügigkeit berührt wurde.
Als alle Geschenke am Weihnachtsmorgen ausgepackt waren, begann mein Vater von seinem außergewöhnlichen Erlebnis zu erzählen.
In unseren Herzen wurde es dabei sehr warm und es war als ob sich ein ganz besonderer Glanz im weihnachtlichen Zimmer ausbreitete.
Von diesem Tag an trugen wir alle dieses wundersame Ereignis wie einen verborgenen Schatz mit uns und an jedem Weihnachtsfest breitete sich erneut dieser zauberhafte Glanz in unserem Zimmer aus, wenn wir uns an dieses außergewöhnliche Erlebnis erinnerten und unsere Weihnachtsfreude wurde dadurch mindestens doppelt so groß.

Nach einer wahren Begebenheit

11. Dezember

Drei Könige

Manchmal ist dein Weg unübersichtlich,
Manchmal gehst du Umwege
Manchmal ist dein Ziel nicht erkennbar.

So ist es auch uns ergangen,
als wie uns auf den Weg machten.
Wir hatten keine sichere Wegbeschreibung
in unseren Taschen,
nur unser Vertrauen darauf,
dass der Stern uns leitet.
Manchmal ist es auch für dich Zeit
bedingungslos zu vertrauen.

Du brauchst auf deinem Weg,
der im Dunkeln liegt nur das Licht,
das in deinem Herzen leuchtet.

9. Dezember

Das verborgene Geschenk

In diesem Jahr sollte alles anders werden.

Die Adventszeit war auch in diesem Jahr wieder wie auf leisen Sohlen so überraschend herangeschlichen, das Anja Mühe hatte, sich vom Herbst zu lösen. Aber ihr Vorhaben, sich nicht vom allgemeinen Weihnachtsstress überrollen zu lassen, konnte sie zum ersten Mal in die Tat umsetzen. Fast jeden Abend nahm sie sich Zeit, eine Ruhepause einzulegen und in der Bibel oder anderen Büchern zu lesen und sich intensiv mit dem Weihnachtsgeschehen zu beschäftigen. Manchmal zündete sie eine Kerze an und lauschte einer meditativen Musik. Das alles trug dazu bei, dass in ihrem Herzen die Freude beständig wuchs.

Eines Abends dachte sie an die bevorstehende Weihnachtsfeier in ihrer Frauengruppe.

Das gemeinsame Wichteln war dabei zur Tradition geworden. Dazu brachte jede Frau ein kleines Geschenk mit, das nicht selten auch selber gebastelt wurde.

Sie hatten sich darauf geeinigt, dass die Freude am Beschenken im Vordergrund stehen und daher nicht viel Geld ausgegeben werden sollte. Die Päckchen kamen dann in einen Sack und nach der Reihe durfte jede Frau ein Geschenk daraus entnehmen.

Beim Gedanken an das Wichteln machte sich zum ersten Mal ein mulmiges Gefühl in Anjas Magengrube breit. Vor zwei Jahren hatte Simones Sohn im Kindergarten eine Kerze mit bunten Wachsplättchen verziert. Sie war nicht wirklich schön, und ausgerechnet dieses Exemplar war dazu bestimmt, in Anjas Händen zu landen. Mit neidvollem Blick hatte sie die hübsche und kreative Ausbeute der anderen Frauen betrachtet und nachdem sie ihre Enttäuschung herunter geschluckt hatte, wurde die Kerze zu Hause schnellstmöglich abgebrannt und damit auch wieder vergessen. Was ihr im letzten Jahr zuteil wurde, war nicht erfreulicher als im Vorjahr, zum Glück hatte sie die Erinnerung daran soweit verdrängt, dass sie nicht mehr sagen konnte, was sie bekam. Aber nun schlich sich eine unangenehme Vorahnung in ihr Herz: Sie war sich fast sicher, dass sie auch in diesem Jahr wieder solch ein unzumutbares Geschenk mit nach Hause nehmen musste.

Als der Tag der Weihnachtsfeier gekommen war, machte sich Anja schon früh morgens gut gelaunt an das Einpacken ihres Mitbringsels, das sie liebevoll ausgewählt hatte.
Sie summte dabei die Melodie ihres Lieblingsliedes leise vor sich hin und war ganz bei der Sache.

Als sie abends den festlich geschmückten Raum betrat, streifte ihr erster Blick den Schrank, auf dem bereits eine ganze Reihe von niedlichen Päckchen aufgereiht standen. Noch guter Dinge stellte sie ihren Beitrag zu den anderen. Als Simone schließlich den Raum betrat und ihr Geschenk auf den Wichteltisch stellte, war sie wieder da, diese unerträgliche, hellsichtige Gewissheit: Dieses hässliche Etwas, eine Klorolle mit Buntpapier als Kerze hergerichtet, sollte ihr gehören.

An einigen Stellen war das Papier zerdrückt und eingerissen,- der Sohn von Simone hatte offensichtlich seiner geballten künstlerischen Begabung mit ungebremster Motivation freien Lauf gelassen. Nun begann die Bescherung.

In diesem Jahr sollte alles anders werden.

Die Päckchen wurden nämlich mit einer Zahl versehen.
Jede Frau zog ein Zettelchen mit einer entsprechenden Nummer, und bekam dann ihre Überraschung. Anja biss die Zähne zusammen und versuchte sich mit aller Kraft gegen die penetranten Gedanken zu wehren, die wie ein Fluch auf ihr lasteten. So nahm sie dann auch mit verkrampften Gesichtszügen ihre Gabe entgegen.

Es kam wie es kommen musste, sie bekam was ihr zustand, und ließ es auch sogleich mit einem gekünstelten Lächeln in ihrer Tasche verschwinden, um es nie wieder eines Blickes zu würdigen: Das Klorollenprachtstück!


Als alle Frauen ihre Kostbarkeiten mit viel Freude ausgepackt hatten, kam der Höhepunkt: Die nervige Simone fragte Anja doch tatsächlich vor versammelter Mannschaft, ob ihr denn das Geschenk gefallen würde.

Aus Anjas Mund kam nur ein klägliches Dankeschön.

Aber Simone blieb hartnäckig: Ob Anja denn wirklich annehme, dass das, was sie gesehen habe wirklich ihr Geschenk sei? Sie solle es doch einmal auspacken!

Verwirrt und unsicher nahm Anja die Klorolle aus der Versenkung und entfernte das Buntpapier. Da kullerte eine mit Goldlack bepinselte Walnuss heraus.

Sie hatte ein winziges Scharnier, und als Anja sie zögernd und vorsichtig öffnete, blieb ihr vor Verwunderung der Mund offen stehen: Innen war eine wundervolle Krippe beherbergt, deren Figuren aus zierlichen Ästchen geschnitzt waren.

Anja schämte sich und gleichzeitig wurde sie mit einer tiefen Freude erfüllt.

Ehrfürchtig und ergriffen bestaunte sie das schönste und wertvollste Geschenk, das sie je erhalten hatte.

In diesem Jahr sollte alles anders werden.

(Nach einer wahren Begebenheit)

 

8. Dezember

Engel
haben selten
weiße wallende Gewänder,
sie zeigen sich gerne im schlichten Alltagskleid
und begegnen dir ohne Umschweife und auf Augenhöhe .
Manchmal laut und fordernd,
manchmal leise und zart.
Sie sind immer und überall zugegen,
aber sie lassen sich nur finden,
wenn dein Herz für ihre Hilfe geöffnet ist.
Dann wirst du sie erkennen:
IN EINEM WORT
IN EINER BEGEGNUNG
IN EINEM GEDANKEN
IN TAUSENDERLEI GESTALT.

7. Dezember

Weihnachtliche Vorfreude

Wenn es einen Experten für weihnachtliche Vorfreude gibt, dann war das mein Großvater, da bin mir ich ganz sicher!
Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht schon lange vor Weihnachten mein Weihnachtsgeschenk fertigzustellen. Niemals hätte er ein Geschenk gekauft, nicht weil er zu geizig dazu war, nein er sagte immer mit dem Brustton der Überzeugung: “ Nur ein Geschenk das man selber gemacht hat ist ein richtiges Geschenk, weil da Liebe drin steckt.“
Ja und Liebe hatte mein Großvater Gustav jede Menge zu geben und das nicht nur in Form von handgemachten Geschenken.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er einmal keine Zeit gehabt hätte, wenn ich ihn besuchen wollte. Wenn er das Klacken des Gartentörchens hörte, stand er meist schon in der offenen Haustür, bevor ich den Weg zum Haus auch nur zur Hälfte zurück gelegt hatte. Jedes Mal strahlten seine Augen und freudig breitet er beide Arme aus und rief mir zu: “ Hummelchen, komm flieg!“
Dann rannte ich los und ließ mich von ihm auffangen und wild herumwirbeln.
Ganz besonders spannend war es, wenn ich ihn in der Adventszeit besuchte.
Mein Geschenk bewahrte er in jedem Jahr unter seinem Bett auf.
Am ersten Adventssonntag ging es schon los.
Er machte ein sehr geheimnisvolles Gesicht und lockte mich mit leiser Stimme: „Na, meine Kleine, was meinst du, wollen wir mal spinksen?“
Dann legten wir uns ganz nahe bei der Zimmertür, also im weit möglichsten Abstand zum Bett, bäuchlings nebeneinander auf den Boden und ich spähte wie mit Adleraugen in die Ecke, in der ich das Geschenk vermuten konnte. Es stand stets im hintersten Winkel ganz an der Wand.
Da es draußen um diese Zeit schon dunkel war und das Licht im Schlafzimmer für unsere heimliche Spionage-Mission natürlich nicht eingeschaltet wurde, konnte ich nichts erkennen.
Aber selbst dieses „Garnichts“ war schon so aufregend, dass es in meinem Bauch zu kribbeln begann.
Am nächsten sowie an allen darauffolgenden Tagen wurde dieses Prozedere wiederholt.
Aber mein Großvater hatte natürlich eine Steigerung eingeplant . Vom ersten Tag an zog er mit einem Bleistift und einem Lineal einen Strich auf die Stelle des Bodens, die mein Kinn beim Spinksen berührt hatte. Jeden weiteren Tag durfte das Kinn 1cm weiter nach vorne und so stieg die Spannung von Tag zu Tag und es wurde immer kribbeliger in meinem Bauch.
Auch wenn ich bis zum 4. Adventssonntag außer einem schattenhaften Umriss nichts erkennen konnte, werde ich diese Vorfreude, die mein Großvater mit seiner Inszenierung hervorgelockt hatte, niemals vergessen. Selbst heute noch liegt für mich mit dieser Erinnerung immer noch ein ganz besonderer Zauber über der Vorweihnachtszeit.

Es muss wohl an den Genen liegen, denn mein Vater hatte, inspiriert von seinem Vater, ebenfalls eine ganz spezielle Methode entwickelt, um mit Spannung meine Vorfreude zu steigern.
Er veranstaltete mit mir ein Rätselraten.
Mit verschwörerischer Stimme raunte er: Soll ich dir etwas über dein Geschenk verraten?
An jedem Tag verriet er mir ein klitzekleines Detail über meine zu erwartenden Weihnachtsgabe.
Am eindrucksvollsten ist mir dieses adventliche Erlebnis aus dem Jahr, in dem ich meinen 6. Geburtstag gefeiert hatte in Erinnerung.
Es ging los mit dem Hinweis:“ Du kannst es so weit ziehen.“ Und er streckte dabei seinen rechten Arm weit über seinen Kopf und den linken Arm fast bis zu seinem Knie. Oh wie war das spannend, was sich in meinem Kopf dazu für Ideen entwickelten.
Ein paar Tage später meinte mein Vater, es sei Zeit für den nächsten Hinweis und er verriet: „Du kannst es auch so ziehen.“ Und er streckte seine rechte Hand seitwärts zur rechten Seite und die linke Hand zur linken Seite. Meine Güte, ein so dehnbares Ding , was konnte das nur für ein wunderbares Geschenk sein?
Beim nächsten Mal eröffnete er mir die Aussicht darauf, dass das Geschenk sich auch an die Wand hängen ließ.
Nach weiteren Tagen in denen die Spannung und Vorfreude weiter in mir gewachsen waren, sagte er, dass es sich auch um meinen Bauch binden ließe. In meinem Kopf entstanden die vielfältigsten Fantasien und die das Kribbeln war kaum noch auszuhalten.
Eines steht fest, in dem besagten Jahr habe ich eine ganz besondere Lektion für mein Leben gelernt: Die Vorfreude ist die schönste Freude!
Dieses Sprichwort erwies sich als absolut wahr und ich wusste es genau in dem Moment als ich am Weihnachtsmorgen mein Geschenk in den Händen hielt:
Eine funkelniegelnagelneue Strumpfhose!

Von Kindheitserzählungen einer Freundin inspiriert