In der Mitte der Zeit

In der Mitte der Zeit

Die Spannung wurde von Sekunde zu Sekunde größer. Jetzt würde es nicht mehr lange dauern bis endlich der Startschuss fiel. Alle Tage des kommenden neuen Jahres hatten sich an der Startlinie versammelt und drängelten, zupften und stupsten sich gegenseitig um den besten Platz zu erhaschen.
Da entbrannte in der letzten Reihe ein eifriges Wortgefecht. Eine ganze Horde von Tagen stritt sich darum, wer der letzte Tag sein durfte. Es gab ein wildes Gerangel und endlich hatten alle Tage erschöpft und völlig außer Atem ihren Platz eingenommen.
Eine uralte Eiche, die schon unzählig viele Jahre an der Pforte der Zeit stand, hatte wieder einmal diesem hektischen Treiben zugesehen und fragte:
„Warum um alles in der Welt habt ihr euch um eure Plätze gestritten? Jedes Mal, wenn das Ende des alten Jahres naht ist es das selbe Spiel. Ihr seid doch alle gleich, warum sollte ein Tag wichtiger oder besser als der andere sein?“
„Das liegt doch klar auf der Hand“, ließ sich der Tag, dem es gelungen war die begehrte Position zu ergattern mit stolz geschwellter Brust vernehmen : „Weil die Menschen die meisten Tage des Jahres nicht sonderlich beachten, aber am letzten Tag des Jahres sind sie hellwach! Viele jammern, dass nun das alte Jahr schon fast vorbei ist und wollen am liebsten die Zeit anhalten. Die anderen können es gar nicht abwarten, bis das neue Jahr endlich beginnt, denn sie hoffen darauf das alles besser wird. Also liegt ihre ganze Aufmerksamkeit auf diesem letzten Tag und dadurch wird er so bedeutsam“.
Als die Antwort verklungen war ertönte ein kleines glockenhelles Stimmchen und triumphierte: „Ich bin die allerletzte Sekunde im Jahresreigen und meinen Brüdern und Schwestern, den letzten Sekunden des alten Jahres, gebührt wohl unumstritten eine besondere Ehre, denn keiner von euch ist dem neuen Jahr so nah wie wir. Auf mir liegt indes die allergrößte Aufmerksamkeit, denn mein Nachklang ist gewaltig: Glitzernd, prickelnd und knallend!“
Eine Weile war es still geworden bis das kecke Kichern eines munteren Sekündchens irgendwo aus der Mitte der Zeit erklang:
„Was würdet ihr alle, die ihr euch so wichtig nehmt nur tun, wenn ich mich einfach aus dem Staub machen würde? Da gäbe es aber ein gewaltiges Durcheinander und ohne mich würdet ihr alle bedeutungslos, denn keiner wüsste an welchem Platz er steht und das Jahr könnte kein Anfang und kein Ende finden, wenn ich fehlen würde!“

Weihnachtswunsch

Weihnachtswunsch

Das Leben ist bunt,
manchmal hell und freundlich,
manchmal dunkel und trostlos.

Das Leben ist vielfältig,
manchmal heiter und beschwingt,
manchmal mühsam und beschwerlich.

Mögest du die Farben des Lebens annehmen
und möge dich auf deinem Weg
ein Licht begleiten,
dessen Wärme und Glanz
dein Herz in jeder Lebenslage erhellt.

Ihr Lieben,
mit diesen Zeilen wünsche  ich ein lichtvolles Weihnachtsfest.

24. Dezember

Es war einmal ein sehr sehr kleiner Stern. Er war der Kleinste in seinem Sternenhaufen. Schon viele Millionen Jahre strahlte er neben seinen Sternengeschwistern. Diese nahmen ihn aber nicht ernst, weil er so winzig war. Den lieben langen Tag schwatzten und lachten sie miteinander und hatten Wichtigeres zu tun, als sich mit dem Winzling zu befassen.
Ihr Lieblingsbeschäftigung war es, sich vom Glanz der Sonne, dem größten aller Sterne bescheinen zu lassen. Sie wurden nicht müde ihr nachzueifern und verbrachten daher die meiste Zeit des Tages damit, sich gegenseitig ihre Strahlen zu polieren.
Den winzig kleinen Stern störte es eigentlich gar nicht, dass er nicht beachtet wurde, denn er schaute sehr gerne auf die Erde hinunter und beobachtete was da vor sich ging.
Die größte Freude bereitete es ihm, wenn er durch die Fenster in die Häuser der Menschen blicken und Anteil an ihrem Leben nehmen konnte.
Unermesslich viele Stunden hatte er damit schon zugebracht.
Ein besonderes Vergnügen bereitet es ihm, wenn er die Kinder beobachtete, wie sie ausgelassen lachten und spielten, da hüpfte auch in ihm sein kleines Sternenherz vor Freude.
Aber er sah auch die traurigen Ereignisse und da wurde ihm sein Herz schwer.
So konnte es mit den Jahren geschehen dass sich sein Aussehen veränderte.
Er erstrahlte nicht mehr in einem makellosen Glanz, weil alle Farben des Lebens sich nun in ihm spiegelten, nicht nur die hellen und strahlenden, sondern auch die dunkeln und matten.
Seine Sternengeschwister hatten die Veränderung lange nicht bemerkt, zu sehr waren sie damit beschäftigt ihre Größe und ihr Strahlen miteinander zu vergleichen. Eines Tages aber schaute einer von ihnen den Kleinen fassungslos an und stupste den Stern neben sich in die Seite: „Schau dir mal den Winzling an, der sieht merkwürdig aus, irgendwie schmutzig und gar nicht schön.“
Als die anderen Sterne im Sternhaufen darauf aufmerksam wurden, begannen auch sie abfällig über ihn zu reden. „Was schaust du auch die ganze Zeit auf die Erde herunter, kein Wunder das du so glanzlos geworden bist. Wir Sterne sind dazu bestimmt, unseren Glanz zu pflegen.“
Der winzig kleine Stern wurde traurig als er die Worte der anderen Sterne hörte, die aber schon bald wieder das Interesse an ihm verloren und sich ihrer Glanzpflege widmeten.
Dann kam er, der Abend an dem etwas ganz Besonderes geschah.
Der kleine bunte Stern schaute wie schon an den vergangenen Abenden in das Fenster von Florian, der auch heute wieder in seinem Zimmer saß und weinte.
Seine Mutter kam herein und nahm ihn tröstend in den Arm.
Florian wollte sich gar nicht beruhigen lassen.
Der kleine bunte Stern wusste, warum der Junge so untröstlich war. Vor nicht allzu langer Zeit war er mit seinen Eltern neu in diese Stadt gezogen und war sehr einsam, weil er einfach noch keine Freunde gefunden hatte. In seiner Klasse fühlte er sich fremd und unwohl.
Zu allem Unglück war vor zehn Tagen seine kleine Katze Maunzi von einem Auto überfahren worden und fortan war es nur noch dunkel in ihm. Alle Freude und Hoffnung hatte er verloren.
An diesem besonderen Abend beobachtete der kleine bunte Stern wie Florian von seiner Mutter an das Fenster geführt wurde und wie sie mit ihrer Hand nach oben zum Sternenhimmel zeigte. Er hörte wie sie zu ihm sprach: „Sieh nur, wie schön die Sterne heute strahlen.
Florian wandte seinen Blick nach oben. Eine ganz Weile hatte er den Sternenhimmel angeschaut und dann plötzlich entdeckte er unter all den glänzenden Sternen diesen einen winzig kleinen ganz besonderen Stern, der alle Farben des Lebens trug und dessen Licht durch Hell und Dunkel hindurch zu strahlen vermochte.
In diesem Moment wurde Florian sonderbar berührt.
In seinem Herzen fühlte er eine sanfte Wärme und Florian ließ den kleinen bunten Stern eine lange Zeit nicht aus den Augen.
Da geschah es, dass sich die Farben des Lebens auch in seiner Seele spiegelten und das durch das Dunkel seines Herzens ein zarter Strahl zu leuchten begann. Es war als wenn das Samenkorn der Hoffnung sich öffnete und ganz sachte seine Wurzeln entfaltete.
In Florians Gesicht zeichnete sich ein sanftes Lächeln, das von der Ahnung gespeist wurde, dass die Traurigkeit nicht ewig verweilen konnte und die Fröhlichkeit wieder Einzug halten würde.
Dieses Erlebnis machte den kleinen bunten Stern sehr glücklich und nun wusste er, dass er dazu bestimmt war, eine ganz besondere Botschaft auszustrahlen.
Wenn du deine Herzensaugen öffnest, kannst auch du ihn erkennen, diesen ganz besonderen winzig kleinen bunten Stern, der dich daran erinnert, dass das Leben alle Farben trägt, und dass das Licht auch durch die Dunkelheit hindurch scheint.

23. Dezember

Geboren in mir

Du wurdest nicht nur einmal einst in Bethlehem geboren,
du wirst immer wieder aufs Neue geboren in mir.

Geboren in mir?
Wie kann das geschehen, fragte schon damals Maria?

Geboren in mir?
Wie kann das geschehen, fragen viele Menschen auch heute?

Wenn plötzlich ein Wort mitten in mein Herz fällt,
dann wächst daraus etwas Neues
und ich erkenne dich in mir.
Du sprichst zu mir mit einer Stimme
die nur ich vernehmen kann,
manchmal trifft sie mich wie ein Blitz und rüttelt mich wach
und ich erkenne dich in mir.

Wenn mein Blick plötzlich mehr sieht
als oberflächlich zu sehen ist,
dann wächst daraus etwas Neues
und ich erkenne dich in allem was mich umgibt.
Du zeigst dich mir in einem Kleid, das nur ich sehen kann,
manchmal fällt es mir wie Schuppen von den Augen
und ich erkenne dich in allem was mich umgibt.

Das ist deine Geburt in mir!

21. Dezember

Wunder der Weihnacht

Ich glaube,
dass sich bei dir und mir
das Weihnachtswunder
jedes Jahr auf`s Neue ereignet.
Ich glaube,
dass für dich und mich
die Geburt
auch in diesem Jahr stattfindet.
Ich glaube,
dass in dir und in mir
an jedem Tag
das göttliche Licht leuchtet.
Ich glaube
dass du und ich
das Wunder schauen,
wenn wir unsere Herzensaugen öffnen.
Ich glaube,
dass du und ich
das göttliche Kind in uns tragen,
weil es Mensch geworden ist.

19. Dezember

Ich glaube an einen Gott,
der sich selbst in die Welt gegeben hat,
weil er sich für die Liebe entschieden hat,
die ein Gegenüber braucht.
Ich glaube an einen Gott,
der in allem was lebt zugegen ist.
Ich glaube an einen Gott,
der durch den Akt der Schöpfung
seine Allmacht und Kontrolle
über Freude und Leid aufgegeben hat,
damit wir uns in Freiheit entfalten können.
Ich glaube an einen Gott,
der uns die Entscheidung überlässt
ob wir zu ihm gehören wollen oder nicht.
Ich glaube an einen Gott,
der an seiner abgewiesenen Liebe leidet
und uns in unendlicher Geduld „zu sich hin liebt“.

18. Dezember

Die Schnecke auf dem Weg nach Bethlehem

An einem recht kalten Wintertag im Dezember, saß das Rotkehlchen auf einem Holunderbusch am Waldesrand.
Es schaute ganz munter um sich herum und als sein Blick nach unten auf den Boden fiel entdeckte es eine Schnecke.
„Hallo Schnecke, wohin des Weges?“
„Keine Ahnung, ich krieche einfach irgendwohin. Über die Richtung habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Hauptsache ich bin in Bewegung.“
„ Ja hast du denn noch nicht gehört, dass in Bethlehem ein ganz besonderes Kind geboren werden soll?
Es ist verheißen, dass es Gott selber ist, der uns das Licht und das Heil bringt?“
Die Schnecke wurde von den Worten des Rotkehlchens mitten ins Herz getroffen und plötzlich spürte sie eine große Sehnsucht nach diesem Licht.
„Nun Rotkehlchen, dann sag mir, in welche Richtung ich denn kriechen muss, wenn ich dorthin gelangen will?“
„Das weiß ich nicht“, entgegnete das Rotkehlchen, „aber frage einmal dein Herz, es wird dir schon den richtigen Weg weisen.“
Zunächst war die Schnecke sehr verwundert über diese seltsame Antwort,
aber als sie einen Moment inne gehalten hatte, gewahrte sie in sich ein kleines zartes Fünkchen, dass ihr Herz erwärmte und sie fühlte sich ganz zart hingezogen zu diesem Liebeslicht. Ohne weiter nachzudenken ließ sie es geschehen und kroch ihm entgegen.
Sie war ganz zufrieden und voller Kraft und bemerkte gar nicht, wie die Zeit verging.
Eines Tages lief der Schnecke eine Ameise über den Weg.
„He, hallo Ameise, nicht so schnell, wo läufst du denn hin, wollen wir ein Stück gemeinsam gehen?“
Verdutzt stoppte die Ameise ihre hektischen Schritte und schaute wo die Stimme herkam.
„ Oh , hast du mit mir gesprochen Schnecke, ich hatte dich gar nicht gesehen. Meine Güte, ich bin aber auch
total fertig, immer diese viele Arbeit, keine Zeit zum Ausruhen.“
Die Schnecke sprach: „ Ja hast du denn noch nicht gehört, dass in Bethlehem das Licht der Welt geboren wird,
das für uns alle neue Kraft und Heil bringt?“
„Nein“, erwiderte die Ameise, „das habe ich nicht, neue Kraft könnte ich allerdings dringend gebrauchen, aber ich bin schon ganz schlapp, ich glaube ich kann nicht mehr. Der Weg ist viel zu weit, das schaff ich nicht.“
Da lud die Schnecke die Ameise ein, auf ihrem Schneckenhaus Platz zu nehmen.
Die Ameise schüttelte zunächst verständnislos den Kopf und versuchte der Schnecke klarzumachen, dass sie in ihrer Langsamkeit doch niemals eine Chance hätte rechtzeitig in Bethlehem anzukommen.
Die Schnecke ließ sich von diesem Einwand nicht beirren und auch nicht von ihrem Entschluss abbringen.
„Ich spüre in meinem Herzen die Sehnsucht nach diesem Licht und wenn es wahr ist,
dass der Retter für uns alle gekommen ist, dann wird sein Licht groß und stark genug sein, so dass auch mich ein Strahl davon erreicht, sprach sie voll innerer Gewissheit.“
Die Ameise dachte bei sich, dass es auf jeden Fall besser sei, die Hilfe von der Schnecke anzunehmen,
als hier alleine kraftlos auf der Strecke zu bleiben.
So geschah es, dass nun beide gemeinsam unterwegs waren.
Nach einigen Tagen endete ihr Weg zur Mittagszeit an einem Hügel.
Zunächst waren sie sehr verwundert und auch irgendwie ratlos. Wie sollte es nun weiter gehen? Hatten sie sich verlaufen? Würden sie den richtigen Weg jemals finden, und wenn, würde es dann vielleicht zu spät sein?
Sie beschlossen erst einmal ein Rast zu machen und die Ameise kroch vom Schneckenhaus hinunter und setzte sich neben die Schnecke .
Gemeinsam ließen sie den Blick über das Tal schweifen und erblickten einen kleinen See.
Im Wasser spiegelte sich die Sonne und zauberte tausend und abertausend Glitzerfünkchen, die auf dem Wasser tanzten.
Ergriffen von diesem wundervollen Schauspiel trafen sich ihre Blicke und da erkannten sie, dass sich die Strahlen der Sonne auch in ihren Augen spiegelten.
Eine liebende Geborgenheit umfing sie und sie spürten ganz tief in ihren Herzen, dass die Geburt des Lichts sich genau jetzt und hier in diesem Augenblick ereignete.

17. Dezember

Geschenk

Ich fragte das Kind in der Krippe:
Was könnte ich Dir schenken?
Du Lebenssonne.
Was könnte ich Dir bringen?
Du Lebenslicht.
Was könnte ich Dir geben?
Du Lebensatem.

Das Kind in der Krippe antwortete mir:
Schenke mir Deine Fragen und Zweifel.
Bring mir Deine Sorgen und Nöte.
Gib mir Dein Hoffen und Sehnen.
Mit leeren Händen
und mit weitem Herzen
wirst Du empfänglich für meine Gaben.

Lass Dich von mir beschenken
und werde zu dem Geschenk,
das Du bereits von Ewigkeit her bist.