Die schönste Jahreszeit ist JETZT

Die schönste Jahreszeit ist Jetzt

Herr Meyer schlurfte betrübt und mit gesenktem Blick durch den Stadtpark. Es war wieder einer dieser tristen und nasskalten Herbsttage, an denen er sich so leer und kraftlos fühlte, als sei alle Helligkeit und Wärme auf einer endlosen Urlaubsreise fern von, ihm in einem fremden Land.

Miriam war an diesem Nachmittag ebenfalls in den Stadtpark gegangen, weil sie sich mit einer Freundin zum Spielen dort treffen wollte.

Herr Meyer stoppte seine bleischweren Schritte, als er Miriam erblickte, die vor Freude und Übermut tanzte und geradewegs auf ihn zu wirbelte.
Sie kam direkt vor ihm zum Stillstand, und als er verwundert in ihr rotwangiges Gesicht mit den leuchtenden Augen blickte, fragte sie ihn ganz spontan und ohne Scheu: „ Warum siehst du denn so traurig aus?“

Herr Meyer gehörte nicht zu der Art von Menschen, die ohne Weiteres schnell Vertrauen fassten und ihr Inneres nach außen kehrten, aber das offene Wesen dieses Mädchens bewirkte, dass seine Worte wie von selber aus ihm heraus flossen. Er erzählte von seiner Frau, die vor einigen Jahren gestorben sei, und dass er sich seither unendlich alleine und nutzlos fühlte. Gerade jetzt im Herbst wäre es für ihn besonders schwer, weil sich dann immer ein grauer Mantel um seine Seele legte.

Miriam hörte schweigend und aufmerksam zu, und als seine Worte verstummten, fragte sie wieder auf ihre kindlich naive Art: „ Warum ist es denn jetzt im Herbst besonders schlimm?“

Ach klagte der alte Mann: „ Am Morgen zieht sich schon ein Nebelschleier über die Landschaft und verwandelt alles grau in grau.
Die Bäume werden jeden Tag kahler und alle Blumen verblühen bis bald alles starr und tot ist.“

Miriam erwiderte daraufhin: „Ich sehe es ganz anders als du: „Morgens wenn sich die Nebel wie ein zartes Gewand über die Wiesen und Felder legen, dann wird die Welt zu einer Märchenlandschaft, geheimnisvoll und verträumt. Die Bäume ziehen jetzt ihr buntes Kleid an, an jedem Tag kann ich neue wundervolle Farben entdecken, und wenn sie dann nach und nach ihre Blätter abwerfen, dann tanzen diese so lustig im Wind, dass ich einfach mit tanzen muss. Der bunte Teppich auf dem Boden wird immer dichter und weicher. Wenn dann schließlich alle Blumen verblüht sind, und die Bäume keine Blätter mehr tragen, dann kommt sehr bald die Zeit der Stille. Wie wundervoll und zauberhaft erscheint die Welt, wenn der weiße flauschige Schnee alles verhüllt hat. Klar und rein ist die Luft und einzigartig still und ruhig ist die Stimmung. Glitzerfunken sprühen dann auf der weißen Schneedecke.“

Herr Meyer lauschte fassungslos den Worten des Mädchens und bemerkte schließlich: „Du erzählst ja gerade so begeistert, als wenn der Herbst und der Winter die schönsten Jahreszeiten wären, die es gibt.“

„Nein, so ist es nicht“, erwiderte Miriam. „Für mich ist jede Jahreszeit die schönste Zeit. Jeder Monat ist der schönste Monat und jeder Tag der schönste Tag.“

Aber woher nimmst du diese Fröhlichkeit, ich kann davon nichts in mir spüren?“

Ich verrate dir mal ein Geheimnis, sagte sie lächelnd. Mein Opa Valentin hat es mir verraten:
Jeder Mensch hat zwei Herzen: Ein Körperherz und ein Seelenherz. Wenn du dein Seelenherz ganz weit öffnest, dann öffnen sich auch die Augen der Seele und durch diese Augen kannst du die Welt in einem anderen Licht sehen. Aber das geschieht nur, wenn du wirklich lebendig bist!“

„Was bedeutet: Wirklich lebendig sein?“, fragte Herr Meyer sehr verwundert.

Die meisten Menschen leben nicht wirklich, sondern sie wandern ruhelos mit ihren Gedanken zwischen Vergangenheit und Zukunft hin-und her.
Das Leben ist immer nur hier und jetzt, gerade in diesem Augenblick.

Sobald du dich mit deinen Gedanken wegtragen lässt, bist du nicht mehr hier.
Aber nur hier sind deine Augen der Seele geöffnet.“ , erklärte Miriam ihm.

Und du meinst ich kann das noch lernen, so alt wie ich bin, meine Augen der Seele zu öffnen?“

Das musst du nicht lernen“, erwiderte Miriam schmunzelnd. „Sie sind doch schon längst offen, du brauchst nur hindurch zu sehen!“

In diesem Moment fiel ein leuchtend gelb-orangefarbenes Blatt gerade vor die Füße des alten Mannes.
Die Sonnenstrahlen erleuchteten die zarten Blattadern und ließen ein filigranes Muster erscheinen.

Herr Meyer verzog seinen Mund zu einem winzigen Schmunzeln, und sagte bedächtig: „Ich glaube ich verstehe jetzt, was du mir sagen möchtest.“
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Tausend Wörter

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Tausend Wörter schwirren durch meinen Kopf
und ich kann sie nicht halten,
denn es ist als wenn sie
wie durch ein viel zu grobes Sieb
allesamt hindurch schlüpfen
um sich in einem endlosen Kreislauf
wieder Zugang zu meinem Kopf zu verschaffen.

Nur wenn ich meine Herzenstüre öffne,
kann es geschehen,
dass sich behutsam Wort um Wort
wie wertvolle Perlen zu einer Kette reihen
und sich sanft um meine Seele legen.
Aus einer unsichtbaren Quelle fließen sie
durch mein Herz auf das Papier.

Dieser Blog ist nun meinen Schreibarbeiten vorenthalten.
Ich freue mich über Deinen Besuch in meinem Blog Plauderpause, indem ich von allem berichte, über das es sich zu Plaudern lohnt. 😉

Willkommen in meinem Schreibblog

Hier werde ich in Zukunft die Gedanken, Geschichten und Gedichte, die mir aus dem Herzen fließen mit Euch teilen. Oft entstehen dabei auch Karten- oder Kalendermotive. Nicht selten werde ich durch das, was mir „vor die Linse kommt“, zum Schreiben inspiriert. Aber auch umgekehrt „wird ein Schuh draus“, wenn ich zu einem Gedicht ein passendes Motiv suche und es dann fotografiere.