Lesung aus: „Miriam und Valentin und die vielen Fragen“ – „Herzensangelegenheiten“

Im Sommer diesen Jahres wurde ich vom Offenen Kanal Weinstrasse eingeladen, um einige meiner Kurzgeschichten für die Sendereihe „Lesezeit“ aufzuzeichen. Hier seht ihr die Folge, in der ich die erste Geschichte aus: „Miriam und Valentin und die vielen Fragen“ lese:
„Herzensangelegenheiten“.

Das stolze Blatt das nicht fallen wollte

Es war einmal ein stolzes Blatt, das wohnte an einem Ahornbaum, der im Feld nahe am Rande eines großen Waldes stand.
Es gehörte zu den größten und kräftigsten Blättern seines Baumes und deshalb war es an einem neblig kühlen Novembertag eines der letzten Blätter, die sich am Baum noch halten konnten.
Schon seit Tagen hatte das stolze Blatt beobachtet, wie ein um das andere Blatt sich vom Baum löste und nach unten auf die Erde fiel.
„He“, rief es den restlichen Blattgeschwistern zu, „ich werde mich bestimmt nicht fallen lassen. Ich bin doch kein Schwächling und werde ganz sicher nicht so jämmerlich da unten im Matsch liegen und mich zertreten lassen“.
Dann kam der Tag an dem auch das letzte der andern Blätter sanft zur Erde schwebte und schließlich auf dem bunten Blätterteppich, der sich um den Baum herum gebildet hatte, liegen blieb.
„Ha, ich habe es geschafft“, triumphierte das stolze Blatt. „Wusste ich es doch, dass ich das stärkste Blatt am ganzen Baum bin“.
Es war ziemlich zufrieden und blickte voller Siegeslaune um sich herum und stellte dabei fest, dass sich auch auf den benachbarten Bäumen, soweit es schauen konnte, kein einziges Blatt mehr gehalten hatte.
Nach einer ganzen Weile wurde dem stolzen Blatt dann doch etwas seltsam zumute, denn es bemerkte, dass es nun ziemlich einsam war. Niemand war mehr da, der seine Überlegenheit bewundern konnte.
„Hallo Baum, siehst du mich? Ich bin dein letztes Blatt. Alle anderen haben dich verlassen. 
Du bist doch sicher sehr froh, dass du nicht ganz alleine bist? Also ich lasse dich ganz bestimmt nicht im Stich. Sieh nur wie stark ich bin, ich halte zu dir, komme was wolle“.
Der Baum sah sehr nachdenklich auf sein letztes Blatt, dass sich so eigensinnig und verbissen an ihm festklammerte.
„Weißt du“, raunte er mit seiner warmherzigen Stimme, „ich bin niemals alleine , denn meine Wurzeln und meine Äste sind in Verbindung mit Himmel und Erde. Alle meine Blätter bleiben mit mir verbunden, auch wenn sie meine Zweige verlassen haben.
Solange sie an meinen Zweigen hingen, haben sie mir ihre grüne Kraft und Nahrung gegeben.
Als ich all ihre grüne Kraft aufgebraucht hatte, haben sie sich verfärbt und schließlich haben sie sich fallen lassen, um sich mit dem Erdboden zu verbinden.
Der Erdboden ist meine Heimat, er gibt meinen Wurzeln Halt und ebenso die Kraft, die ich zum Leben benötige. Ich brauche Beides, die grüne Kraft der Blätter und die gute Erdkraft. So können dann im Frühjahr wieder neue grüne Blätter aus mir wachsen“.
Das stolze Blatt hatte die ganz Zeit sehr aufmerksam zugehört und mit jedem Wort, welches der Baum zu ihm sprach, wuchs in ihm eine Kraft die stärker war als aller Eigensinn und es ließ sich schließlich vertrauensvoll und sanft fallen, mit der hoffnungsvollen Ahnung, dass es eingebunden sei in den ewigen Kreislauf des Lebens.
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Warum der Marienkäfer auch Glückskäfer genannt wird

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Miriam saß auf der Schaukel im Garten und summte vergnügt vor sich hin.
Großvater Valentin hatte es sich mit einem Buch auf der gemütlichen Gartenliege bequem gemacht.
Aber die Ruhe war nicht von langer Dauer und schon war eine neue Frage auf Miriams Lippen:
„Opa, warum heißen die Marienkäfer auch Glückskäfer ?“
Valentin dachte kurz nach und sagte dann schmunzelnd:

„Ich erzähle Dir eine Geschichte, dann weißt Du warum.

Es war an einem x beliebigen Tag, als das kleine Glück auf einer Wiese saß und betrübt den Kopf hängen ließ.

„Was hat das alles nur für einen Sinn, wenn immer mehr Menschen unglücklich sind,“ sinnierte es.
„Ich höre die Menschen sagen: Wenn ich mir dieses schöne Haus am Meer kaufen könnte, dann würde es mir besser gehen, dann könnte ich endlich durchatmen und müsste nicht in dieser lauten Stadt leben.Wenn ich nur öfter in Urlaub fahren könnte, dann hätte ich mehr Kraft und Lebensfreude, aber ich muss hier zu Hause bleiben, weil ich es mir nicht leisten kann. Wenn ich nicht soviel Arbeit hätte, dann hätte ich auch mal Zeit für meine Hobbys, aber die Arbeit lässt mir keinen Raum und abends falle ich dann todmüde ins Bett.
Ach, ich höre jeden Tag immer wieder neue Klagen, es hört einfach nicht auf!“

Der Marienkäfer Paul hatte von seiner Grasschaukel aus das Kleine Glück eine ganze Weile beobachtet. Es war ein jämmerlicher Anblick und Paul beschloss nun, dass es höchste Zeit wurde einzugreifen! Denn wenn das kleine Glück nun schon selber unglücklich wurde, wie sollte es dann weiter gehen? Es würde sich früher oder später ganz auflösen und aus der Welt verschwinden.
Nein, das durfte auf keinen Fall geschehen! Das musste sofort verhindert werden!

Also startete Paul voller Tatendrang und landete in diesem Moment mit Schwung direkt auf der Nase des kleinen Glückes. Dabei kitzelten seine Beinchen das kleine Glück so sehr, dass es heftig niesen musste. Der Käfer wurde durch diesen Ruck von der Nase katapultiert und purzelte direkt vor die Füße des kleinen Glückes. Weil er auf seinem Rücken gelandet war, strampelte Paul eine Weile unbeholfen mit seinen Beinchen.

Das kleine Glück putzte sich die Nase und wurde dann auf den Käfer zu seinen Füßen aufmerksam.
Paul hatte es indessen fast geschafft und brauchte nur noch einige wenige Strampelbewegungen, um sich schließlich wieder aufzurappeln. Diesen Anblick fand das kleine Glück so vergnüglich, dass es herzhaft lachen musste.

Paul registrierte stolz und erleichtert die Wirkung seines gelungenen Auftrittes. „Ach du meine Güte, dass ist ja gerade noch mal gut gegangen, es wurde aber auch höchste Zeit, dass du wieder zu dir selber findest, liebes Glück“ , sagte Paul. „Ich hatte dich fast nicht mehr erkannt, als ich dir vorhin von meiner Schaukel aus zuschaute. Was war denn los mit dir?“

Das kleine Glück erzählte Paul was es betrübt hatte und es endete mit den Worten: „Wie bin ich froh, dass du mir geholfen hast, du bist ein richtiger Glückskäfer.“ Als es seine Rede beendet hatte, stutzte es einen Moment und dann kam ihm die rettende Idee: „Weißt du Paul, mir ist jetzt klar geworden, warum so viele Menschen unglücklich sind. Ihnen geht es genauso, wie es mir gerade gegangen ist, kurz bevor du kamst. Sie sind so beschäftigt, mit dem was sie unglücklich macht, dass sie gar nichts Anderes mehr sehen können. Sie glauben, dass sie erst dann glücklich sein könnten , wenn alles nach ihren Vorstellungen läuft und sitzen da und warten Tag ein Tag aus auf das große Glück und sehen mich, das kleine Glück überhaupt nicht, obwohl ich immer und überall da bin.
Ich glaube, dass du lieber Paul und deine Freunde mir sehr gut helfen könnt, denn die Menschen brauchen dringend jemanden, der sie von den trübsinnigen Gedanken ablenkt, damit sie mich wieder sehen können. Gemeinsam gelingt es uns vielleicht, die Menschen glücklich zu machen.“

Seither sind Paul und seine Freunde mit Feuereifer am Werk. Emsig schwingen sie ihre zarten Flügelchen und suchen die Nähe der Menschen.
„Also, meine kleine Miriam“, endete Großvater mit seiner Geschichte, „wenn du einmal wieder einen Marienkäfer siehst, dann weißt du jetzt, dass er dich auf das kleine Glück aufmerksam machen möchte.“
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Alltagsengel

Engel sind überall

Kürzlich las ich eine Geschichte in der eine Frau von ihrer Begegnung mit einem Engel berichtet. Mitten im Alltag, ganz ohne Glanz und Glorie ist er plötzlich da und spricht kein bisschen heilig sondern gibt sich eher schnoddrig.
Er hält ihr ohne Umschweife „den Spiegel vor“ und weist ihr auf seine ehrliche ungeschminkte Art den Weg zu mehr Lebendigkeit.
Diese Geschichte hat mich nicht zuletzt deshalb berührt, weil ich selber schon öfter in meinem Leben die Erfahrung von engelhaften Begegnungen machen durfte.
Meist waren sie ähnlicher Art wie in der besagten Geschichte beschrieben: Unverhofft aber genau zum richtigen Zeitpunkt, unkonventionell, unvergleichlich aber genau auf mich zugeschnitten.
Es war ein Ereignis, dass nur ich selber als „vom Himmel geschickt“ begreifen konnte, weil ich ganz unmittelbar angesprochen wurde.
Als ich am nächsten Tag über die Geschichte nachdachte, kam die Frage auf, welchen Engel ich gerade jetzt wohl am dringlichsten gebrauchen könnte. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Sie kam in Form von einem Gedankenblitz. Ein Satz kam mir in den Sinn:
„Warum nicht gerade umgekehrt?!“
Ich wusste sofort, dass er haargenau auf meine Situation zugeschnitten war, wie aus Engelsmund mir zugesprochen, denn ich war gerade in einer Situation in der viele Fragen, Zweifel und Sorgen mir das Leben schwer machten.
Ich wusste, dass mir dieser Satz heraus helfen konnte.
Schon kurze Zeit später sprach ich ihn mir selber zu, als mich wieder eine Woge von negativen Gedanken zu überrollen drohte.
„Warum nicht gerade umgekehrt?!“
Anstatt: Das ist schwierig und es geht vielleicht schief, für Gott ist das kein Problem und er hilft, dass sich die Situation bestens entwickelt.
Dieser Satz hatte sich mir ganz deutlich eingeprägt.
Jedes Mal wenn wieder solche niederschmetternde Gedanken kamen,
wirkte er wie ein Stoppschild und half mir aus dieser dunklen Wolke sehr bald heraus.
Ich bin überzeugt davon, dass die Begleitung und Hilfe des Himmel jeder Zeit für jeden von uns bereit ist. Es kommt nur auf uns an, ob wir bereit sind uns zu öffnen und sie anzunehmen.
Welchen Engel brauchst du im Moment am dringlichsten?

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Der leere Moment

Der leere Moment

Ein volles Gefäß kann nicht gefüllt werden.
Fülle entsteht aus der Leere.
Wenn Fülle zum Dauerzustand wird, dann bleibt alles “ beim Alten „.
Wenn Neues werden soll, braucht es Raum.

Das gilt auch für mein Leben.

Sehr oft und gerade dann, wenn ich schwierige Zeiten durchlebt habe, wenn ich rastlos und und hilflos war, wenn ich von Ängsten und Zweifeln verfolgt wurde, dann stieß ich an meine Grenzen.
An meine Grenzen stoßen bedeutet, dass es mir im wahrsten Sinne “ zu eng “ wurde.
Ich wurde fast erdrückt von dem was mir als Last auf der Seele lag.
Ich wusste nicht mehr “ ein noch aus „, Ich steckte fest und das Alte und Gewohnte nahm mir fast die Luft zum atmen.
Um nicht zu ersticken, weil ich mich für das Leben entschieden hatte, kam was kommen musste, ich wagte den Sprung in die Ungewissheit der Leere.
Die Leere ist der Raum zwischen meinem alten und dem neuen Leben.

Aus Gewohnheiten und alten Mustern habe ich mir einen Mantel gestrickt und einen Lebensraum geschaffen, in dem ich mich einrichte und es mir bequem mache, so gut es geht.
Es lebt sich gut in meinem Leben, für eine ganze Weile.
Aber irgendwann spüre ich, dass ich meinen eigenen Leben entwachse.
Ich stoße an meine selbst gesteckten Grenzen.
Nur jenseits dieser Grenzen kann ich neuen Lebensraum finden.
Aber ich kann nur dort hin gelangen, wenn ich das Wagnis der Ungewissheit eingehe.
Dieser Moment, indem ich mich entschließe, den Schritt zu wagen, das ist der leere Moment.
Der leere Moment ist Abschied und Neubeginn zugleich.
Der leere Moment ist das Leben in seiner reinsten und wahrhaftigsten Form.
Der leere Moment ist grenzenlos, Verbindung zur Ewigkeit.