Dankbarkeit

Im Monat November sind die Türen zur Vergangenheit und zu den Menschen, die „schon voraus gegangen“ sind  weiter geöffnet als in einer anderen Zeit. So empfinde ich es.
Da wird auch immer viel Dankbarkeit in mir wach.

Kurz nachdem meine Mutter gestorben war, habe ich ein Gedicht geschrieben, das wie ein Brief an sie formuliert ist.
Es passt heute sehr gut zum Thema.

Schatzsuche

Wenn ich in mich hinein horche
erfühle ich deine Botschaft,
die du mir durch dein Leben
übermittelt hast.
Es ist das, was wichtig ist.
Es ist das, was mich geprägt hat.
Es ist das, was mich auf meinem Lebensweg
begleiten möchte.
Ich mache mich auf die Schatzsuche
nach der Essenz deines Lebens.
Sie beginnt in meinem Herzen.
Ist es ein Wort, ein Blick oder eine Geste vielleicht,
die sich als Spur in meine Seele gegraben hat?
Es gibt eine Brücke zwischen dir und mir,
eine Verbindung,
die uns ewig bleibt.
Die Liebe weist mir den Weg
zu deinem Vermächtnis für mich.

Orte wie Inseln

Es gibt Orte
die sind wie Inseln für mich,
an denen meine Seele
einen Anker setzen
und verweilen kann.
Hier tauche ich ein
in eine andere Welt,
aus der mir Liebe und Frieden,
Geborgenheit und Zuversicht
zufließen und alle meine Zellen
mit heilsamer Kraft erfüllen.
Selbst wenn ich diese Orte verlasse,
bleibt die Verbindung in mir lebendig.
Ich kann jederzeit in Gedanken dort hinreisen
und diese Energie wachrufen.

(C) Beate Neufeld

Herbst

„He“, sagte der Herbst mit entrüsteter Stimme, „nun geh mal zur Seite! Du hast dich lange genug vor gedrängelt. Eigentlich bin ich schon längst an der Reihe“.
In den letzten Tagen hatte sich der Ärger in ihm immer mehr zusammengebraut und er hatte sich nun dazu entschlossen endlich sein Recht nachdrücklich einzufordern. Jetzt war die Zeit gekommen und er teilte mit seiner Rechten einen beherzten Knuff aus und blies dem Sommer seinen nebligen Atem ins Gesicht, so dass dieser verwirrt zur Seite hüpfte und sich überrumpelt davon trollte.

 

Licht im Herzen – Der Weg der Könige

Manchmal ist dein Weg unübersichtlich,
Manchmal gehst du Umwege
Manchmal ist dein Ziel nicht erkennbar.

So ist es auch uns ergangen,
als wie uns auf den Weg machten.
Wir hatten keine sichere Wegbeschreibung in unseren Taschen,
nur unser  Vertrauen darauf,
dass der Stern uns  leitet.
Manchmal ist es auch für dich Zeit
bedingungslos zu vertrauen.

Du brauchst auf
deinem Weg, der im Dunkeln liegt
nur das Licht,
das in deinem Herzen leuchtet.

(C) Beate Neufeld
11.10.2017

Löwenzahn im Herbst

Wie viele Samen werden noch aufgehen
und wie lange bleibt dann Zeit zum Blühen?
Hat das Wachsen und Reifen jetzt noch einen Sinn?
Findet sich ein schützender Unterschlupf bis zum Frühling?
Überdauert die Lebenskraft  den langen Winter?

Während ich so schauend sinne, wächst in mir die Frage nach dem eigenen Leben:
Habe ich all meine Gaben genutzt
anstatt mich resignierend abzufinden
mit dem Glauben an die Macht der Unzulänglichkeiten?
Und was bleibt von mir, wenn die Zeit des Herbstes überschritten?

Ungetragen

Sie stand vor dem geöffneten Kleiderschrank. Ihre Blick streifte aufmerksam über den Inhalt der nun wie ein geöffnetes Buch vor ihr lag und von einem vergangenen Leben erzählte. Behutsam strich sie mit ihrer Hand von rechts nach links entlang der Kleidungsstücke die fein säuberlich aufgereiht auf ihren Bügeln hingen.
“ Kind wie läufst du denn schon wieder herum, was sollen den bloß die Leute denken? Der erste Eindruck zählt und dabei ist eine angemessene Kleidung enorm wichtig!“ Tante Irmtrauds Stimme klang noch immer in ihr nach.
Sie selbst wählte ihr Kleidung ganz nach Lust und Laune aus und so war sie nach Ansicht ihrer Tante eigentlich fast nie passend angezogen.
„Du kannst doch nicht dein bestes Kleid an einem Tag wie heute anziehen, das ist doch ein Festtagkleid!“
Sie stand noch immer vor dem Schrank und zog nun von rechts nach links einzelne Bügel heraus um sich die Kleider näher anzuschauen. Jedes Teil weckte in ihr eine Erinnerung, und sie sah die Tante darin wie sie zum Beispiel in der Küche kochte oder im Garten arbeitete.
Als ihre Hand fast die gesamte Reihe abgegriffen hatte, zog sie ein Kleid heraus, welches sie noch nie gesehen hatte. Es war noch völlig ungetragen, und war noch mit dem Preisettikett versehen. Es war wunderschön, ein wahres Prachtstück. Aber es war offensichtlich niemals „zum Einsatz“ gekommen. Nicht nur durch die Tatsache, dass es neuwertig war, ließ es sich von den anderen Teilen unterscheiden, sondern auch dadurch, dass es als einziges Exemplar unter lauter Alltagskleidern die Bezeichnung „Festtagskleid“ verdient hatte.
Sie betrachtete das jungfräuliche Kleid in ihren Händen und ihr wurde klar, dass dies ein Symbol war für alle ungelebten Träume ihrer Tante, die unter dem Vorwand des Pflichtbewusstseins im hintersten Winkel des Herzens vergraben wurden. In Tante Irmtrauds Leben hatte es  keinen Platz für Feste, Leichtigkeit und Lebenslust gegeben.
„Erst die Arbeit, dann das Spiel!“, war ihr Wahlspruch und Arbeit gab es immer.
Betroffen hängte sie das Kleid wieder an seinen Platz.
Als sie den Schrank geschlossen hatte, hatte, nahm sie eine Frage in ihrem Herzen mit: Welche Kleider habe ich in den hintersten Winkel verschlossen die darauf warten von mir ins Leben getragen zu werden?

Das Licht einfangen

Lebenskraft
Liebesfunken

Das Licht einfangen
überall wo du es wahrnimmst.

Das Licht auftanken
überall wo es dich erreicht.

Vielleicht ist es das Wichtigste
was wir im Leben lernen können:

Nicht nachlassen
uns nach dem Licht auszurichten.

Nicht aufhören
nach dem Licht zu suchen.

Es lässt sich finden
Selbst die Nacht ist nicht ohne Licht.

(C) Beate Neufeld
13.06.2017

Das Glück

Das Glück

Es war einfach unglaublich,
da hatte das Glück tage- und wochenlang
damit zugebracht,
hinter ihr herzulaufen,
sie zu umgarnen,
ja sogar sich ihr in den Weg zu stellen,
nur damit sie endlich das Glück entdecken würde.
Aber sie war einfach schneller,
ließ sich nicht halten
und lief im Zickzackkurs gekonnt um das
Glück herum,
als ob sie eine neue sportliche Disziplin
erfunden hätte.
Sie war geübt und so ausdauernd trainiert,
dass das Glück schließlich völlig entkräftet aufgeben musste.
Es blieb einfach am Rand des Weges liegen,
und da liegt es immer noch,
denn es hatte beschlossen,
sich niemals mehr gewaltsam aufzudrängen.
Fortan wollte es nur noch freiwillig gefunden werden.
Wenn du es entdecken möchtest,
dann sei gewiss,
dass es geduldig wartet
und sich von dir finden lässt.

Das Glück hat tausend mal tausend Gesichter.
Manchmal entdeckte ich es in einem lachenden Kindergesicht, zuweilen auch in einer leuchtenden Blume im Feld.
Ich konnte es in der Melodie des Windes hören
und in der salzigen Meeresluft schmecken.
Vielleicht legt es sich dir als moosiger Waldweg unter die Füße
oder begegnet dir in einem ehrlichen Wort aus Freundesmund?
Wenn du es gefunden hast, dann wirst du wissen, wie es aussieht,
aber nur für diesen Augenblick und für dieses eine Mal.
Es lässt sich nicht halten und wird sich schon bald ein neues Gewand anlegen.
Das Glück hat tausend mal tausend Kleider.