Siebenmeilenstiefel

Wie mit Siebenmeilenstiefeln

An deinem Geburtstag beginnt ein neues Lebensjahr, das alte ist vergangen und mit einem Anflug von Sentimentalität hältst du Rückschau und stellst zum wiederholten Male fest, dass die Zeit immer schneller dahin zu fliegen scheint.

Kaum setzt du deinen Fuß in das neue Jahr, wirfst du einen kurzen Blick auf die nächsten 12 Monate die noch jungfräulich vor dir liegen und beginnst schon im nächsten Augenblick damit zu mutmaßen, abzuwägen und zu vergleichen. Du vermagst in Sekundenschnelle durch die Zeit zu reisen, wie mit Siebenmeilenstiefeln. Darin bist du geübt, weil du fast unablässig trainierst. Jahrein jahraus, täglich, stündlich, sekündlich hastet dein Geist ruhelos zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her. 

Deine Lebenszeit rinnt dir dabei wie Sand durch die Finger. Während du beklagst, dass sie sich nicht halten lässt, bemerkst du nicht, dass du der Flüchtling bist, ein rastloser Wanderer, der am Leben vorbei läuft. So auch ein Reisender, der im fahrenden Zug sitzt und aus dem Fenster schauend den Eindruck gewinnt, dass die Landschaft an ihm vorbei rast. Würde er die Bremse ziehen, hätte die Reise ein Ende, denn er würde erkennen, dass er bereits am Ziel ist. 

Das Leben wohnt nicht im Gestern, noch im Morgen. Sein Haus ist ein wehender Hauch von Nichts und Allem was ist. Wenn du gewahr wirst, dass du bereits angekommen bist, kannst du darin Wohnung nehmen.

Bewohne dein Leben, damit du nicht stirbst bevor du gelebt hast!

Vom Eindruck zum Ausdruck

Vom Eindruck zum Ausdruck

Ich nehme mir
ein Lied
ein Wort
ein Bild
ein Naturerlebnis
und lasse mich beeindrucken
damit mein Inneres
Ausdruck finden kann.
Wenn mein Inneres
Ausdruck findet
werde ich
mir selber
zum „Gesprächspartner“;
indem ich „mir zuhöre“
lerne ich mich anzuschauen
wie mit den Augen eines guten Freundes.

Heute beim Spaziergang komme ich wieder einmal mit mir selber ins Gespräch.
Ein recht temperamentvoller Wind pfeift mir um die Nase, er rüttelte an den Zweigen der Bäume und treibt die Wolken eifrig vor sich her als wolle er mir zurufen: Das neue Jahr zieht ein, es braucht frischen Wind, damit nicht alles beim Alten bleibt! Ich denke so bei mir, dass Einzug und Auszug oft Hand in Hand gehen. Wo etwas hinein will, braucht es Platz, selbst der Atmen geschieht im Zusammenspiel von Aufnehmen und Abgeben.
So gehe ich meines Weges und beobachtete das Treiben der Wolken und lausche dem Gesang des Windes und spüre die belebende Frische in meinem Gesicht.
Dann wird mir bewusst wie gut es mir tut einfach in meinem eigenen Rhythmus zu laufen ohne mich dabei selber anzutreiben, weil ich denke ich müsste sportlicher unterwegs sein.
Meine Füße gehen wie von selbst, ich bin im Einklang, alle Anstrengung weicht einer angenehmen Tragkraft.
Die Worte „Ich lasse mich gehen“, kommen in meinen Sinn, indem mir die Doppeldeutigkeit bewusst wird fällt mir auf wie negativ das „Gehenlassen“ im Allgemeinen behaftet ist: „Lass dich doch nicht so gehen!“
Ein Gedicht formt sich und so findet mein Inneres den Ausdruck:

Lass dich nicht so gehen!

Und ob ich mich gehen lasse!
Und zwar genauso!
Ganz in meinem eigenen Rhythmus.
Ohne meinen Schritt anzupassen!
Ich werde zum Selbstläufer!

Tagesgespräch

„Hallo hier bin ich, Dein Tag! Hast du überhaupt schon bemerkt, dass ich für dich da bin?“

Du ziehst deine Stirn kraus und schaust mich etwas genervt an.
„Jeden Tag das Gleiche, bild dir ja nichts ein! Für dein Alltagseinerlei kannst du keine Jubelschreie erwarten!“

„Alltags-einerlei? Ja klar, ich bin einer von allen Tagen deines Lebens, also ein All-Tag, da hast du Recht. Aber mir ist es ganz und gar nicht einerlei, wie du mich erlebst!
Ich bin ganz frisch und jung und voller Elan und Motivation also vollkommen offen und bereit dir meine Zeit zu schenken.
Was du damit machst liegt an dir!
Welches Kleid ich trage, trist und grau oder freudig und farbenfroh, entscheidest du!

Du senkst deinen Blick und schüttelst entmutigt den Kopf: „Keine Ahnung hast du vom Leben! Wie mein Tag aussieht bestimme doch nicht ich selbst!“, sagst du vorwurfsvoll. „Mir bleibt doch keine Wahl, ich muss das Leben nehmen wie es nun mal ist: Ein Marathon zwischen Beruf, Hausarbeit und Familie. Die Arbeit nimmt kein Ende, Tag für Tag ohne Pause, nur am Wochenende wird es etwas leichter, aber die Kraft die ich getankt habe ist meist am Dienstag schon wieder aufgebraucht und es bleibt mir nur sehnsüchtig auf das nächste Wochenende zu warten.“

„Du wartest also Tag für Tag auf das nächste Wochenende, warum?“

Entrüstet atmest du aus: „Ist doch klar, weil ich dann endlich Zeit habe zum Leben!“

„Ach so, ich glaube jetzt habe ich dich verstanden: Du schlägst also mit deiner Warterei die ganze Zeit tot, bis das Wochenende da ist und dann lebst du in den Tag hinein.“

Weihnachtswünsche

Mögen wir, du und ich
zwischen, neben, unter, über
all den Lichterketten und Kerzen
das Licht erkennen,
das in unserem Herzen wohnt.
Mögen wir still werden
und zwischen den hektischen
und lauten Begebenheiten
unseres Lebens
immer auch die schönen
und frohmachenden Begegnungen
wahrnehmen,
die das Licht unserer Lebensfreude
nähren.
Mögen wir in Dankbarkeit
das segnende Licht
der Menschen empfangen,
die neben uns an unserer Seite
durch das Leben gehen.
Mögen wir unter unseren Füßen
den kraftspendenden Halt
und die Verbundenheit.
unserer Wurzeln spüren,
die uns mit dem Licht verbinden,
das uns Leben spendet.
Möge unser Blick
über den engen und begrenzten
Horizont hinausschauen
und das Licht der Hoffnung erblicken.
Möge uns hinter allen Sorgen, Ängsten,
Zweifeln und Nöten
stets das Licht der Erneuerung aufstrahlen.

Sternstunden

Ich schenke mir eine Stunde
nicht nur zu Weihnachten
oder zum Geburtstag
nicht nur im Urlaub
oder wenn ein Termin ausfällt
nicht nur wenn ich total gestresst bin
und sowieso nicht mehr anders kann
nicht nur ausnahmsweise
und wenn es keiner merkt

Ich schenke mir eine Stunde
heute und morgen
und an jedem Tag
immer wieder
ohne schlechtes Gewissen
und ohne zu fragen
ob es nichts Besseres
oder Wichtigeres zu tun gibt
einfach weil ich es mir wert bin

Ich schenke mir eine Stunde
ohne Erwartung und Anspruch
alles darf sein
einfach nur dasitzen
und die Sonne auf der Haut spüren
oder die Augen schließen
und dem Geräusch meines Atems lauschen
oder darüber nachsinnen
wofür ich dankbar sein kann

Ich schenke mir eine Stunde
mit meinen Freunden
und lasse dafür gerne
den Putzlappen liegen
ich schaue am Staub vorbei
direkt in die Augen eines Menschen
und entscheide mich Tag um Tag
für die Freiheit
die ich nur mir selber geben kann